{"id":1022,"date":"2026-06-19T23:13:49","date_gmt":"2026-06-19T21:13:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=1022"},"modified":"2026-06-19T23:13:49","modified_gmt":"2026-06-19T21:13:49","slug":"entnahmeplan-vom-depot-zum-monatseinkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/entnahmeplan-vom-depot-zum-monatseinkommen\/","title":{"rendered":"Entnahmeplan: Vom Depot zum Monatseinkommen"},"content":{"rendered":"<p>Die meisten Ratgeber drehen sich darum, wie man ein Verm\u00f6gen aufbaut. Viel seltener geht es um die Frage, die irgendwann genauso wichtig wird: Wie holt man das Geld wieder heraus, ohne dass es pl\u00f6tzlich weg ist? Wer ein Wertschriftendepot zur Pensionierung, f\u00fcr ein Sabbatical oder als zweites Standbein nutzen will, braucht daf\u00fcr einen Plan. Ein gut konstruierter Entnahmeplan verwandelt ein schwankendes Depot in einen ruhigen, monatlichen Geldfluss \u2013 und genau das ist passives Einkommen in seiner reinsten Form.<\/p>\n<h2>Die 4-Prozent-Regel und ihre Grenzen<\/h2>\n<p>Der bekannteste Ausgangspunkt ist die \u00ab4-Prozent-Regel\u00bb. Sie besagt: Wer im ersten Jahr vier Prozent seines Depotwerts entnimmt und diesen Betrag danach j\u00e4hrlich der Teuerung anpasst, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit dreissig Jahre lang davon zehren, ohne dass das Kapital aufgebraucht wird. Bei einem Depot von 500&#8217;000 Franken w\u00e4ren das 20&#8217;000 Franken im ersten Jahr, also rund 1&#8217;670 Franken pro Monat.<\/p>\n<p>So eing\u00e4ngig die Regel ist, so umstritten ist sie inzwischen. Sie stammt aus US-Daten einer Zeit mit h\u00f6heren Anleihenzinsen. Kritiker halten vier Prozent heute f\u00fcr zu optimistisch \u2013 gerade in einem Tiefzinsumfeld und angesichts l\u00e4ngerer Lebenserwartung. Wer auf Nummer sicher gehen will, rechnet eher mit drei bis dreieinhalb Prozent als nachhaltiger Entnahmerate. Wichtig f\u00fcr Schweizer Anleger: Die Regel ber\u00fccksichtigt weder Verm\u00f6genssteuer noch die hiesige, vergleichsweise tiefe Teuerung. Sie ist ein Denkrahmen, kein Naturgesetz.<\/p>\n<h2>Das gr\u00f6sste Risiko heisst Renditereihenfolge<\/h2>\n<p>Der gef\u00e4hrlichste Moment f\u00fcr jeden Entnahmeplan ist ein B\u00f6rseneinbruch in den ersten Jahren. Dieses sogenannte Renditereihenfolge-Risiko wird oft untersch\u00e4tzt: Wer gleich zu Beginn aus einem fallenden Depot Geld entnimmt, verkauft Anteile zu tiefen Kursen und entzieht dem Depot die Substanz, mit der es sich sp\u00e4ter wieder erholen m\u00fcsste. Dieselbe durchschnittliche Rendite kann je nach Reihenfolge der guten und schlechten Jahre zu v\u00f6llig unterschiedlichen Ergebnissen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die \u00fcbliche Gegenmassnahme ist ein Liquidit\u00e4tspuffer: zwei bis drei Jahresentnahmen auf einem Geld- oder Sparkonto, aus dem man in schlechten B\u00f6rsenjahren sch\u00f6pft, statt Aktien mit Verlust zu verkaufen. Wer regelm\u00e4ssige Aussch\u00fcttungen aus dividendenstarken Titeln oder einer Optionsstrategie bezieht, kann diesen Puffer in mageren Jahren wieder auff\u00fcllen \u2013 wie das mit verkauften Optionen funktioniert, zeigt der Beitrag zu <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/covered-calls-optionspraemien-cashflow-smi\/\">Covered Calls als Cashflow im SMI<\/a>.<\/p>\n<h2>Starre oder flexible Entnahme?<\/h2>\n<p>Bei der starren Variante legt man einen fixen, inflationsangepassten Frankenbetrag fest und entnimmt ihn unabh\u00e4ngig von der B\u00f6rsenlage. Das gibt Planungssicherheit, erh\u00f6ht aber das Risiko, in einer langen Schw\u00e4chephase zu viel zu entnehmen.<\/p>\n<p>Flexible Strategien koppeln die Entnahme an den Depotwert. Bei der einfachsten Form nimmt man jedes Jahr einen festen Prozentsatz des aktuellen Werts \u2013 in guten Jahren mehr, in schlechten weniger. Das Kapital geht so praktisch nie ganz aus, daf\u00fcr schwankt das verf\u00fcgbare Einkommen. Beliebt sind Mischformen mit \u00abLeitplanken\u00bb: Man entnimmt einen Zielbetrag, k\u00fcrzt aber, sobald das Depot unter eine definierte Schwelle f\u00e4llt, und erh\u00f6ht, wenn es deutlich dar\u00fcber liegt. So bleibt das Einkommen meist stabil, ohne die Substanz zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<h2>Steuern und der erste konkrete Schritt<\/h2>\n<p>Ein Schweizer Vorteil wiegt schwer: Kapitalgewinne aus dem Privatverm\u00f6gen sind in der Regel steuerfrei. Wer Anteile verkauft, um daraus zu leben, zahlt auf den Kursgewinn grunds\u00e4tzlich keine Einkommenssteuer \u2013 versteuert werden lediglich Dividenden und Zinsen sowie das Verm\u00f6gen als solches. Ein Entnahmeplan, der bewusst auf Kursgewinne statt auf hohe Aussch\u00fcttungen setzt, kann dadurch steuerlich effizienter sein als ein reines Dividendendepot. Wer als Privatperson sehr aktiv handelt, sollte allerdings die Kriterien f\u00fcr den gewerbsm\u00e4ssigen Wertschriftenhandel im Blick behalten.<\/p>\n<p>Der erste Schritt ist n\u00fcchtern: Tragen Sie zusammen, wie viel Sie pro Monat tats\u00e4chlich brauchen, und ziehen Sie davon sichere Einnahmen wie AHV oder Pensionskassenrente ab. Die verbleibende L\u00fccke ist der Betrag, den Ihr Depot liefern muss. Erst diese Zahl zeigt, ob Ihr Verm\u00f6gen f\u00fcr eine nachhaltige Entnahme von drei bis vier Prozent ausreicht \u2013 oder ob Sie l\u00e4nger ansparen, flexibler entnehmen oder die Erwartungen anpassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ein Entnahmeplan ist kein einmaliger Beschluss, sondern eine Routine: einmal im Jahr nachrechnen, den Puffer pr\u00fcfen, die Entnahme an die Realit\u00e4t anpassen. Wer das diszipliniert tut, macht aus einem Depot eine verl\u00e4ssliche Einkommensquelle \u2013 und schl\u00e4ft auch in einem schlechten B\u00f6rsenjahr ruhig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Ratgeber drehen sich darum, wie man ein Verm\u00f6gen aufbaut. Viel seltener geht es um die Frage, die irgendwann genauso wichtig wird: Wie holt man das Geld wieder heraus, ohne dass es pl\u00f6tzlich weg ist? Wer ein Wertschriftendepot zur Pensionierung, f\u00fcr ein Sabbatical oder als zweites Standbein nutzen will, braucht daf\u00fcr einen Plan. 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