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Taupunkt-Steuerung in HA: Nachtkühlung smart

Sommer in der Schweiz heisst: tagsüber 32 Grad, nachts kühlt es auf angenehme 18 Grad ab. Wer dann zur richtigen Zeit lüftet, holt die kühle Nachtluft ins Haus und hält die Räume tagsüber erträglich – ganz ohne Klimaanlage. Das Problem: Die reine Temperatur reicht als Entscheidungsgrundlage nicht aus. Ist die Aussenluft zwar kühler, aber feuchter, schleppt man beim Lüften unbemerkt Feuchtigkeit ins Haus, die sich an kühlen Wänden niederschlägt. Die saubere Lösung heisst Taupunkt – und Home Assistant kann ihn berechnen und daraus eine zuverlässige Lüftungsempfehlung machen.

Warum der Taupunkt entscheidet, nicht die Temperatur

Der Taupunkt ist jene Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist. Er fasst Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einem einzigen, ehrlichen Wert zusammen. Liegt der Taupunkt draussen unter dem Taupunkt drinnen, bringt frische Luft tatsächlich Trockenheit und Kühlung. Liegt er höher, verschlechtert Lüften das Raumklima – selbst wenn das Thermometer draussen niedriger steht. Genau diese Verwechslung führt im Sommer zu feuchten Kellern und stickigen Schlafzimmern.

Für die Automation brauchen Sie zwei Messpunkte: einen Innensensor mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit (etwa ein Aqara- oder Netatmo-Sensor) und einen Aussenwert. Viele HA-Setups liefern den Taupunkt heute direkt mit – Wetterstationen wie Netatmo oder Eve Weather zeigen ihn als eigene Entität. Fehlt er, rechnet ihn ein Template-Sensor aus Temperatur und Feuchte zuverlässig nach.

Den Taupunkt per Template berechnen

Die bewährte Magnus-Formel liefert für den Hausgebrauch genaue Werte. Dieser Template-Sensor berechnet den Innentaupunkt aus zwei vorhandenen Entitäten:


template:
  - sensor:
      - name: "Taupunkt Schlafzimmer"
        unit_of_measurement: "°C"
        state: >
          {% set t = states('sensor.schlafzimmer_temperatur') | float %}
          {% set rh = states('sensor.schlafzimmer_luftfeuchtigkeit') | float %}
          {% set a = 17.27 %}
          {% set b = 237.7 %}
          {% set alpha = (a * t) / (b + t) + log(rh / 100) %}
          {{ ((b * alpha) / (a - alpha)) | round(1) }}


Den gleichen Sensor legen Sie für den Aussenbereich an. Anschliessend genügt ein kleiner Differenz-Sensor, der die beiden Taupunkte vergleicht:


      - name: "Taupunkt Differenz"
        unit_of_measurement: "°C"
        state: >
          {{ (states('sensor.taupunkt_schlafzimmer') | float
             - states('sensor.taupunkt_aussen') | float) | round(1) }}


Ist dieser Wert positiv und ausreichend gross, lohnt sich das Lüften.

Die Lüftungs-Automation

Jetzt verknüpfen Sie die Logik mit einer Aktion – einer Benachrichtigung, einem Ventilator oder, bei einem motorisierten Fenster, dem direkten Öffnen. Wichtig ist ein Schwellenwert von mindestens 2 bis 3 Grad Differenz, damit die Automation nicht bei jedem Grenzfall auslöst:


automation:
  - alias: "Nachtkühlung empfehlen"
    trigger:
      - trigger: numeric_state
        entity_id: sensor.taupunkt_differenz
        above: 3
        for: "00:10:00"
    condition:
      - condition: numeric_state
        entity_id: sensor.aussen_temperatur
        below: 22
      - condition: time
        after: "21:00:00"
        before: "07:00:00"
    action:
      - action: notify.mobile_app_handy
        data:
          title: "Jetzt lüften"
          message: >
            Aussenluft ist trockener und kühler
            (Differenz {{ states('sensor.taupunkt_differenz') }} °C).


Die for-Bedingung von zehn Minuten entprellt kurze Schwankungen, die Zeit- und Temperaturbedingung verhindert das Lüften am heissen Nachmittag. Wer einen smarten Ventilator besitzt, ersetzt die Benachrichtigung durch ein fan.turn_on; mit einem motorisierten Fensteröffner wird daraus eine vollautomatische Nachtkühlung.

Feinschliff und Kombination

In der Praxis lohnt sich eine Gegen-Automation, die ans Schliessen erinnert, sobald die Differenz unter 1 Grad fällt oder die Aussentemperatur am Morgen wieder steigt. Ein input_boolean als Sperre verhindert, dass Sie nachts mehrfach geweckt werden. Wer mehrere Räume überwacht, legt die Template-Sensoren pro Zimmer an und steuert gezielt – das kühle Erdgeschoss anders als das aufgeheizte Dachzimmer.

Diese Taupunkt-Logik ergänzt sich hervorragend mit aktiver Luftbewegung. Wer die kühle Nachtluft nicht nur hereinlässt, sondern auch verteilt, kombiniert sie mit den Ansätzen aus Ventilatoren smart steuern für die Sommerhitze 2026 – zusammen ergibt das eine erstaunlich wirksame Kühlung ohne Stromfresser.

Fazit

Mit zwei Template-Sensoren und einer durchdachten Automation macht Home Assistant aus dem diffusen Bauchgefühl «jetzt ist es draussen kühler» eine präzise, physikalisch korrekte Lüftungsempfehlung. Der Taupunkt verhindert dabei den klassischen Sommerfehler, mit der Kühle ungewollt Feuchtigkeit einzuschleppen. Einmal eingerichtet, läuft das System jede Nacht im Hintergrund – und Ihr Schlafzimmer bleibt am nächsten Mittag spürbar angenehmer.

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