Finanzen

Senior Loan ETFs: Floating-Rate-Cashflow

Wer im Anleihen-Cashflow nach Eidgenossen, Pfandbriefen und High-Yield bereits gut diversifiziert ist, stösst irgendwann auf eine eigene Anlageklasse: Senior Secured Loans. Es sind besicherte, variabel verzinste Unternehmenskredite an sub-investmentgrade Schuldner – und sie liefern aktuell zweistellige Distributionsraten bei einer Duration nahe null. Genau die Kombination, die viele Schweizer Cashflow-Portfolios in einem Zinszyklus-Umfeld vermissen.

Was sind Senior Loans – und was sind CLOs?

Ein Senior Loan ist ein syndizierter Bankkredit an ein Unternehmen mit B-/BB-Rating. Er steht in der Kapitalstruktur ganz oben, ist mit Vermögenswerten besichert und zahlt einen variablen Zins (SOFR/€STR + Spread). Damit fallen Kurse bei steigenden Zinsen kaum, weil der Coupon sich automatisch nach oben anpasst.

CLOs (Collateralized Loan Obligations) sind verbriefte Tranchen genau dieser Loan-Pools. Die AAA-Tranche steht zuoberst im Wasserfall und hat in 30 Jahren Marktgeschichte noch keinen einzigen Verlust erlitten – sie liefert trotzdem regelmässig SOFR + 130 bis 180 Basispunkte. Für CHF-Anleger heisst das: zweistellige Renditen bleiben US-spezifisch, aber auch nach Währungs-Hedge bleiben rund 5–6 % stehen.

Drei ETF-Wege für Schweizer Anleger

Direkt-Zugang über die SIX gibt es kaum, der Umweg läuft über US- oder UCITS-Listings:

  • Invesco Senior Loan ETF (BKLN) – der Klassiker, 2011 aufgelegt, ~10 Mrd USD Volumen. Distribution monatlich, Yield aktuell um 8 %. US-Quellensteuer 15 % via DA-1 zurückholbar.
  • Invesco AAA CLO Floating Rate Note ETF (ICLO) – nur AAA-Tranchen, defensive Variante mit ~6 % Yield bei sehr geringer Volatilität.
  • UCITS-Alternative iShares Floating Rate Bond UCITS (FLOT/FLOS) an der LSE – nicht reine Senior Loans, aber Floating-Rate-Investment-Grade als steuerlich einfacherer Einstieg ohne DA-1-Aufwand.

Wer den Diversifikationsvorteil maximieren will, kombiniert BKLN (oder ICLO) mit den im Mai bereits behandelten High-Yield-ETFs. Mehr dazu im Artikel zu High-Yield-Bond-ETFs als Cashflow-Booster.

Was im Schweizer Steuerbild zählt

Senior Loans und CLO-ETFs schütten ihren Ertrag als Zins aus – nicht als Dividende. Das vereinfacht die Deklaration: Die Distribution gehört in die ordentliche Einkommenssteuer, Kursgewinne im Privatvermögen bleiben steuerfrei. Bei US-ETFs gilt die DBA-reduzierte Quellensteuer von 15 %, die via Formular DA-1 in der Steuererklärung zurückgefordert wird.

Wichtig: Viele Senior-Loan-ETFs gelten in der ESTV-Kursliste als reine Obligationenfonds. Das heisst, ein realisierter Kursgewinn beim Verkauf des ETFs ist tatsächlich steuerfrei, solange keine gewerbsmässige Tätigkeit vorliegt. Das macht die Anlageklasse steuerlich attraktiver als ein direktes Engagement in einen High-Yield-Direktbond mit überwiegend Einmalverzinsung.

Die Risiken realistisch einordnen

Der Floating-Rate-Mechanismus schützt vor Zinsänderungsrisiko – nicht vor Kreditrisiko. In Rezessionen weiten sich die Spreads stark aus: BKLN verlor im März 2020 binnen zwei Wochen rund 22 %, erholte sich bis Jahresende aber vollständig. CLO AAA verhielt sich stabiler (–8 % maximaler Drawdown).

Drei weitere Punkte sollten Anleger kennen:

  • Liquidität: Der Loan-Sekundärmarkt ist OTC, in Stressphasen können ETF-NAVs vom Spread abweichen.
  • Refinanzierungsdruck bei sinkenden Zinsen: Wenn die Fed zu senken beginnt, sinkt der Coupon automatisch mit – der Yield-Vorteil schmilzt.
  • Defaults am unteren Loan-Markt-Ende: Ein Anteil der Schuldner trägt B-/CCC-Rating. Die Recovery-Rate liegt historisch bei 60–70 % (vs. 30–40 % bei unbesicherten High-Yield-Bonds), aber Null ist sie nicht.

Eine sinnvolle Allokation im Schweizer Portfolio

Für die meisten Cashflow-Portfolios reicht eine Position von 5 bis 10 % im Anleihen-Sleeve. Wer eher Total Return als Distribution sucht, gewichtet die AAA-CLO-Variante höher. Wer maximalen Coupon will, geht über BKLN.

Praktischer Aufbau in drei Schritten: Erstens den Anleihen-Anteil definieren (z. B. 40 % vom Gesamtportfolio). Zweitens innerhalb dieses Sleeves ein Sub-Bucket «Floating Rate» mit 15–25 % anlegen, das mit 5–8 % Senior Loans und 5–10 % AAA CLO belegt wird. Drittens die ETFs als monatliche Sparplan-Käufe automatisieren – beispielsweise bei Swissquote oder Interactive Brokers.

Das Ergebnis: ein dritter Cashflow-Strom neben Aktien-Dividenden und klassischen Obligationen, dessen Coupon mit der nächsten Zinserhöhung automatisch mitsteigt – und dessen Korrelation zu beiden anderen Strömen historisch unter 0,5 liegt.

Fazit

Senior Loan und CLO-ETFs sind kein Mainstream-Produkt für Schweizer Privatanleger – aber sie verdienen einen Platz im fortgeschrittenen Cashflow-Bauplan. Wer den DA-1-Aufwand nicht scheut, holt sich mit BKLN oder ICLO ein floating-rate-Einkommen ins Depot, das in zwei Dingen einzigartig ist: in seiner Steuer-Optik und in seiner Reaktion auf das Zinszyklus-Spiel der nächsten zwölf Monate.

Konkreter erster Schritt für diese Woche: 30 Minuten im SwissquoteWebtrader die ISIN von BKLN suchen, Mindestkaufgrösse prüfen – und entscheiden, ob 5 % des Anleihen-Sleeves Platz dafür haben.

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