Apotheke

Schmerzmittel aus der Apotheke richtig wählen

Kopfschmerzen, Muskelkater, Rückenstechen, Periodenkrämpfe – fast jeder greift mehrmals im Jahr zum rezeptfreien Schmerzmittel. In Schweizer Apotheken sind vier Substanzen aus der Abgabekategorie D dominant: Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac und Mefenaminsäure. Sie wirken unterschiedlich, haben unterschiedliche Risiken und passen zu unterschiedlichen Beschwerden. Wer das versteht, kommt mit kleineren Dosen aus, kombiniert weniger riskant und vermeidet die häufigsten Probleme der Selbstmedikation.

Paracetamol – das verträgliche Basismittel

Paracetamol (Dafalgan, Panadol, Tylenol) ist das am häufigsten verkaufte Schmerzmittel der Schweiz. Es wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, aber kaum entzündungshemmend. Die übliche Einzeldosis bei Erwachsenen liegt bei 500–1’000 mg, die maximale Tagesdosis bei 4’000 mg. Wer chronisch Alkohol trinkt, untergewichtig ist oder eine Lebererkrankung hat, sollte die Tagesdosis auf 2’000–3’000 mg reduzieren – Paracetamol wird zu rund 95 Prozent in der Leber abgebaut.

Der grösste Vorteil von Paracetamol: Es belastet Magen, Niere und Blutgerinnung nicht. Es ist deshalb das Mittel der ersten Wahl bei leichten Kopfschmerzen, fieberhaften Infekten und in der Schwangerschaft (zweites und drittes Trimester nur kurzzeitig). Der grösste Nachteil: Bei muskuloskelettalen Schmerzen, Entzündungen und Periodenschmerzen ist es schwächer als die NSAR.

Ibuprofen – der entzündungshemmende Allrounder

Ibuprofen (Algifor, Brufen, Irfen) ist ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR) und wirkt zusätzlich entzündungshemmend. Die übliche Einzeldosis liegt bei 400 mg, die maximale Tagesdosis in der Selbstmedikation bei 1’200 mg. Es ist Mittel der Wahl bei muskuloskelettalen Beschwerden, Zahnschmerzen, Periodenkrämpfen und entzündlich bedingten Kopfschmerzen.

Die Risiken: Magenschleimhaut-Belastung, mögliche Verschlechterung der Nierenfunktion bei Dehydratation und gehemmte Blutgerinnung. Wer mehrere Tage täglich Ibuprofen nimmt, sollte mit einem Protonenpumpenhemmer (Esomeprazol 20 mg) den Magen schützen – mehr zur Mechanik findet sich im Artikel Reflux und Magenbrennen – Antazida, Alginate, PPI und Alarmzeichen. Im dritten Schwangerschaftsdrittel ist Ibuprofen kontraindiziert.

Diclofenac – stärker, aber riskanter

Diclofenac (Voltaren, Olfen) ist ebenfalls ein NSAR und etwa potenter als Ibuprofen, aber mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko bei hoher Dauerdosis. Seit 2024 ist die orale Abgabe in der Schweiz nur noch in der Kategorie B (rezeptpflichtig) für Dosen über 75 mg täglich erhältlich; rezeptfrei bleiben das Voltaren Dolo 25 mg und vor allem die topischen Formen (Emulgel, Pflaster).

Für akute Rückenschmerzen oder Sehnenentzündungen sind die topischen Formen 2026 erste Wahl: Sie wirken lokal, mit minimaler systemischer Belastung. Eine zweimal tägliche Anwendung über sieben Tage genügt meist. Wer das Emulgel mehrmals täglich grossflächig aufträgt, bekommt trotzdem messbare Diclofenac-Spiegel im Blut – die Kontraindikationen gelten dann auch.

Mefenaminsäure – der Schweizer Sonderfall

Mefenaminsäure (Ponstan, Mephadolor) ist ein NSAR, das in der Schweiz für die Selbstmedikation in 250-mg-Form verfügbar ist. Es hat eine starke Wirkung auf Periodenschmerzen und wird oft als Mittel der Wahl bei Dysmenorrhoe empfohlen. Die übliche Einzeldosis beträgt 500 mg, die maximale Tagesdosis 1’500 mg.

Die Risiken ähneln denen anderer NSAR – mit dem Zusatz, dass Mefenaminsäure schneller Magenprobleme und Durchfall auslösen kann. Eine Anwendung über mehr als sieben Tage am Stück ist nicht empfohlen. Wer Antikoagulanzien einnimmt oder eine Niereninsuffizienz hat, sollte die Mefenaminsäure meiden.

Kombinationen, Höchstdosen und Selbstmedikations-Falle

Eine sinnvolle Kombination ist Paracetamol plus ein NSAR – die beiden Substanzen wirken über unterschiedliche Mechanismen und ergänzen sich. Beispielsweise 1’000 mg Paracetamol morgens und 400 mg Ibuprofen mittags. Zwei NSAR gleichzeitig (Ibuprofen plus Diclofenac) sind dagegen kontraindiziert.

Die zentrale Falle der Selbstmedikation ist der medikamenten-induzierte Kopfschmerz: Wer mehr als zehn Tage im Monat ein Schmerzmittel nimmt, riskiert chronische Kopfschmerzen, ausgelöst durch die Medikamente selbst. In diesem Fall hilft kein zusätzliches Schmerzmittel – sondern Pause und ärztliche Abklärung. Wer regelmässig Migräne hat, sollte mit der Apotheke über spezifische Optionen sprechen; mehr dazu im Artikel Migräne – Triptane und CGRP-Antagonisten in der Apotheke.

Fazit – die richtige Wahl pro Beschwerde

Für leichte Kopfschmerzen und Fieber ist Paracetamol erste Wahl. Bei muskuloskelettalen Schmerzen und Entzündungen greift Ibuprofen besser, bei lokalen Sehnenentzündungen das topische Diclofenac, bei Periodenschmerzen Mefenaminsäure. Wer länger als drei Tage am Stück oder mehr als zehn Tage im Monat ein Schmerzmittel nimmt, gehört zum Apotheker oder zur Ärztin. Schmerz ist kein Symptom, das man dauerhaft wegmedikamentieren sollte – sondern eines, das man verstehen muss.

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