Finanzen

Säule 3a: Bank oder Versicherung – die ehrliche Rechnung

Die Frage stellt sich für jede berufstätige Person in der Schweiz: Soll die Säule 3a über ein Bankkonto, eine 3a-App oder eine Versicherungspolice laufen? Beraterinnen und Berater von Versicherungen empfehlen häufig die Police, weil dort Provisionen fliessen. Banken empfehlen das Konto. Die nüchterne Rechnung zeigt: Für die reine Vermögensbildung schlägt die Bank- oder App-Lösung die Police fast immer – die Versicherung gewinnt nur, wenn ein konkretes Risiko abgedeckt werden muss, das anders nicht versicherbar ist.

Was beide Lösungen gemeinsam haben

Beide sind steuerlich gleichwertig. Der jährliche Maximalbetrag für Angestellte mit Pensionskasse liegt 2026 bei 7’258 Franken (kleine 3a), für Selbständige ohne PK bei 36’288 Franken (grosse 3a, 20-Prozent-Regel). Die Einzahlung ist in beiden Fällen vom steuerbaren Einkommen abziehbar. Beide profitieren bei Bezug von der reduzierten Kapitalleistungssteuer – getrennt vom übrigen Einkommen, mit deutlich tieferem Satz. Bezugsgründe (Pensionierung, Auswanderung, Selbständigkeit, Wohneigentum) sind identisch. So weit der unstrittige Teil.

Was die Police anders macht – und kostet

Eine Säule-3a-Versicherungspolice kombiniert Sparen mit einer Risikoabsicherung: Todesfall, Erwerbsunfähigkeit oder beides. Das klingt nach gutem Bundle – ist es selten. Die Police hat drei Kostenebenen, die das Bankkonto nicht hat. Erstens die Abschlusskosten: Provisionen werden in den ersten Jahren verbucht und vom einbezahlten Kapital abgezogen. Bei vielen Policen liegt der Rückkaufswert in den ersten zwei bis drei Jahren bei null – wer früh kündigt, verliert alle Einzahlungen. Zweitens die laufenden Verwaltungskosten: 1.5 bis 2.5 Prozent des Sparkapitals pro Jahr, plus Risikoprämien für Tod und Invalidität. Drittens ist die Einzahlung verpflichtend: Wer dieses Jahr knapp ist, kann nicht einfach pausieren, sondern muss die Police prämienfrei stellen (mit weiteren Verlusten) oder zurückkaufen.

Die zentrale Kennzahl ist die Gesamtkostenquote über die Laufzeit. Wer 30 Jahre lang den Maximalbetrag einzahlt, hat in einer durchschnittlichen Police am Ende rund 20 bis 25 Prozent weniger Kapital als in einer kostenoptimierten 3a-Lösung – bei gleicher Performance. Bei 7’000 Franken Jahresbeitrag und 30 Jahren reden wir von 40’000 bis 80’000 Franken Differenz.

Was die Bank- und App-Lösung können

Ein klassisches 3a-Sparkonto bei der Hausbank zahlt 2026 zwischen 0.3 und 0.6 Prozent. Für die reine Steuerersparnis reicht das – wer keinen Aktien-Anteil will, kommt damit aus. Wer auf 25 Jahre und mehr anlegt, sollte den Wertschriften-Anteil gleitend hochfahren. Die 3a-Apps Frankly, finpension und VIAC bieten reine ETF-Anlagen mit Gesamtkosten von 0.39 bis 0.5 Prozent pro Jahr, freier Wahl der Aktienquote bis 99 Prozent und null Provisionen. Über 30 Jahre lautet die historische Renditeerwartung 4 bis 6 Prozent pro Jahr in einer 80/20-Strategie – ein Vielfaches dessen, was eine Police mit Garantiezins erwirtschaftet.

Wer mehr zur konkreten Mechanik der 3a-Apps im Vergleich lesen will, findet dort die Zahlen pro Anbieter. Wichtig: Die Aufteilung auf mehrere 3a-Konten (drei bis fünf) ist später beim gestaffelten Bezug Gold wert – das spart bei der Pensionierung noch einmal 10’000 bis 25’000 Franken Steuern, je nach Kapital und Wohnkanton.

Wann die Police trotzdem Sinn macht

Es gibt zwei klare Fälle. Erstens: Eine selbständig erwerbende Person ohne Pensionskasse, mit Familienverantwortung und ohne andere Risikoabsicherung. Hier kann eine kombinierte 3a-Police mit Erwerbsunfähigkeits-Komponente die einzige greifbare Absicherung sein – die Prämien sind in der 3a steuerlich abziehbar, was eine separate Risikoversicherung nicht ist. Zweitens: Wer befürchtet, sich selbst nicht zur jährlichen Einzahlung disziplinieren zu können, und für den die Verbindlichkeit der Police als Spar-Zwang funktioniert. Beides sind Sonderfälle.

Die saubere Alternative für alle anderen lautet: Bank- oder App-3a für die Vermögensbildung, separate reine Risikolebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung für die Absicherung. Das ist transparenter, fast immer günstiger und bleibt flexibel.

Konkreter nächster Schritt

Wer aktuell eine 3a-Police hat, holt sich den letzten Vorsorge-Ausweis und vergleicht zwei Zahlen: Einbezahltes Total versus aktueller Rückkaufswert. Liegt der Rückkaufswert deutlich unter den Einzahlungen plus Verzinsung, ist die Kostenstruktur das Problem. Eine Kündigung der Police nach den ersten drei bis fünf Jahren ist meist die mathematisch richtige Entscheidung – die «versunkenen» Provisionen sind versunken, jeder weitere Tag in der Police kostet zusätzlich. Wer neu mit der 3a startet: drei bis fünf Konten bei Frankly, finpension oder VIAC eröffnen, Aktien-Strategie wählen, jährlich einzahlen, fertig. Eine Police ist nur die Antwort, wenn die Frage tatsächlich «Risikoabsicherung mit Steuerabzug» heisst – und auch dann ist der separate Weg meist sauberer.

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