Finanzen

Reselling als Studi: Vinted trifft Live-Shopping

Second-Hand ist längst kein Notbehelf mehr, sondern ein Milliardenmarkt – und für BWL-Studierende mit Gespür für Marketing eine überraschend zugängliche Einkommensquelle. Wer weiss, wie man Produkte inszeniert, Reichweite aufbaut und eine Community bei Laune hält, verkauft nicht einfach alte Kleider: Er betreibt Social Commerce im Kleinformat. Zwischen Vinted-Shop und Live-Shopping auf Plattformen wie Whatnot entsteht daraus ein Nebenverdienst, der sich gut mit 20 bis 40 Prozent Pensum vereinbaren lässt.

Warum gerade jetzt

Der Wiederverkauf-Markt wächst rasant, weil zwei Trends zusammenkommen: das gestiegene Nachhaltigkeitsbewusstsein und der Boom des Live-Commerce. Verkäuferinnen und Verkäufer berichten, dass Live-Verkauf spürbar stärkere Umsätze bringt als klassische Marktplatz-Inserate – der Unterhaltungsfaktor und die direkte Interaktion machen den Unterschied. In Europa wächst die Zahl der Live-Seller kräftig, und was in den USA mit Sammelkarten begann, umfasst heute Mode, Sneaker, Beauty und Schmuck.

Für Studierende ist der Einstieg attraktiv, weil kaum Startkapital nötig ist: Der eigene Kleiderschrank, Flohmärkte und Brockenhäuser liefern die erste Ware. Entscheidend ist nicht das Lager, sondern das Marketing-Handwerk – und genau das bringen BWL-Studierende mit.

Aktive Möglichkeiten: verkaufen und moderieren

Der klassische Einstieg läuft über Vinted: Kleidung, Accessoires und Bücher fotografieren, ehrlich beschreiben, fair bepreisen und versenden. Der Hebel liegt in der Präsentation. Gute Fotos bei Tageslicht, ein sauberer Hintergrund, aussagekräftige Titel und eine schnelle, freundliche Kommunikation heben Ihren Shop aus der Masse. Wer hier konsequent bleibt, sammelt Bewertungen – und Bewertungen sind die Währung, die weitere Verkäufe nach sich zieht.

Die zweite, spannendere Stufe ist Live-Shopping. In einem Livestream präsentieren Sie Stücke in Echtzeit, beantworten Fragen und lassen die Community mitbieten oder direkt kaufen. Das ist Moderation, Verkauf und Unterhaltung in einem – eine Fähigkeit, die weit über das Reselling hinaus wertvoll ist. Realistisch verdienen Sie am Anfang bescheiden, aber wer regelmässig live geht, baut Stammpublikum und Umsatz kontinuierlich auf. Wichtig: Kalkulieren Sie Plattformgebühren, Versand und Verpackung von Beginn an ein, damit die Marge stimmt.

Genau dieses Handwerk – ein Produkt in einem kurzen, authentischen Auftritt überzeugend zu inszenieren – ist dasselbe, das Marken bei Content-Creatorinnen suchen. Wie dieser Markt für authentische Produktvideos funktioniert, zeigt der Beitrag UGC für Studierende: Marken zahlen für Content – die Kamera-Präsenz, die Sie beim Live-Shopping trainieren, lässt sich direkt in bezahlte Aufträge übersetzen.

Passive Möglichkeiten: aus Verkauf wird System

Reselling ist nie vollständig passiv, aber Sie können den Aufwand stark systematisieren. Ein wiedererkennbarer, thematisch klar positionierter Shop – etwa nur Vintage-Denim oder nur Designer-Accessoires – zieht die passende Zielgruppe an und verkauft auch dann weiter, wenn Sie gerade nicht online sind. Ein einmal aufgebauter Katalog mit guten Fotos und Beschreibungen arbeitet für Sie, während Sie in der Vorlesung sitzen.

Zusätzlich lässt sich Ihr aufgebautes Wissen produktisieren: eine kompakte Anleitung zum Fotografieren, Bepreisen und Verkaufen, ein Set an Vorlagen für Produktbeschreibungen oder ein kleiner Sourcing-Guide für die besten Fundorte. Solche digitalen Produkte verkaufen Sie einmal erstellt beliebig oft weiter – der klassische passive Baustein, sobald Sie selbst genug Erfahrung gesammelt haben.

Realistische Zeitplanung bei 20–40 Prozent

Planen Sie feste Blöcke statt ständiger Nebenbei-Arbeit. Ein realistisches Wochenmodell: ein bis zwei Stunden für das Sichten und Fotografieren neuer Ware, ein fester Live-Slot von rund einer Stunde plus Vorbereitung, und über die Woche verteilt kurze Zeitfenster für Nachrichten und Versand. Wer diszipliniert einen Streaming-Rhythmus etabliert – zum Beispiel jeden Sonntagabend –, gewöhnt sein Publikum an einen Termin und stabilisiert den Umsatz.

Denken Sie an die formale Seite: Wer regelmässig und mit Gewinnabsicht verkauft, erzielt steuerbares Einkommen, und ab den bekannten Schwellen werden AHV-Beiträge fällig. Notieren Sie Einnahmen und Ausgaben von Anfang an sauber – als BWL-Studierende ist das ohnehin Ihr Heimspiel.

Erster konkreter Schritt

Suchen Sie zwanzig Teile aus Ihrem Schrank, die Sie nicht mehr tragen, fotografieren Sie sie bei Tageslicht und stellen Sie sie diese Woche auf Vinted ein. Sobald die ersten Bewertungen da sind, testen Sie einen kurzen Live-Verkauf. So lernen Sie das Handwerk am echten Markt – mit minimalem Risiko und maximalem Lerneffekt.

Fazit

Reselling verbindet Nachhaltigkeit mit echtem Marketing-Training: Sie üben Produktinszenierung, Community-Aufbau und Verkaufspsychologie an konkreten Zahlen. Fangen Sie klein an, bleiben Sie ehrlich in der Beschreibung – und lassen Sie aus einzelnen Verkäufen Schritt für Schritt ein kleines, wiederkehrendes System werden.

Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger

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