Mit Pfingsten beginnt für viele Schweizer Haushalte die Reiseplanung der Sommerferien – und damit der Gang in die Apotheke, in dem die Reiseapotheke zusammengestellt wird. Während Sonnenschutz, Pflaster und Insektenschutzmittel jede Schweizer Offizin im Sortiment hat, sind drei Reisethemen jeden Sommer wieder die kniffligsten: Malaria-Prophylaxe für Subsahara-Afrika und Südostasien, Höhenkrankheit für Anden- und Himalaya-Reisende, sowie Reisedurchfall – die mit Abstand häufigste Reisekrankheit überhaupt. Was 2026 in der Schweiz in der Beratung wichtig ist, fasst dieser Beitrag zusammen.
Malaria-Prophylaxe – wann wirklich nötig?
Die Schweizerische Expertenkomitee für Reisemedizin (EKRM) und das BAG veröffentlichen jährlich aktualisierte Empfehlungen unter malariaprophylaxe.ch. Sie unterscheiden drei Risikoklassen pro Region: A (Mückenschutz reicht), B (Notfall-Selbsttherapie mitnehmen), C (kontinuierliche Chemoprophylaxe).
Für klassische Backpacker- und Familienreisen in Subsahara-Afrika (Kenia, Tansania, Sansibar, Senegal, Mosambik) gilt fast überall Risikoklasse C – also tägliche Chemoprophylaxe. Mittel der Wahl ist seit Jahren Atovaquon/Proguanil, in der Schweiz als Malarone® oder generisch als Atovaquone-Proguanil Mepha® erhältlich. Dosierung Erwachsener (≥40 kg): 1 Filmtablette täglich mit fetthaltiger Mahlzeit, beginnend 1–2 Tage vor Einreise, fortgesetzt bis 7 Tage nach Verlassen des Risikogebiets. Verträglichkeit gut, Gewichts-Dosierungen für Kinder ab 11 kg möglich. Alternative: Doxycyclin (preiswert, dafür Sonnenempfindlichkeit, nicht in Schwangerschaft).
Alle Malaria-Medikamente sind in der Schweiz rezeptpflichtig (Abgabekategorie B). Die Apotheke kann ohne Rezept nicht abgeben – Reisende sollten 4–6 Wochen vor Abreise einen Hausarzt- oder Reisemedizin-Termin einplanen (UZH Reisemedizin, Tropeninstitut Basel, oder zertifizierte Apotheken mit ärztlicher Anbindung). Für Risikoklasse B (Notfall-Stand-by) wird Atovaquon/Proguanil oft als Reserve-Packung mitgegeben – nur einzunehmen bei Fieber und ohne ärztliche Erreichbarkeit innert 24 Stunden.
Höhenkrankheit – Acetazolamid richtig dosieren
Wer plant, im Sommer in Höhen über 2’500 Meter zu schlafen – sei es Trekking in Nepal, Peru, Bolivien oder Ladakh –, sollte über die akute Bergkrankheit (AMS) aufklären. Symptome treten typischerweise 6 bis 24 Stunden nach dem schnellen Aufstieg auf: Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Appetitlosigkeit. Schwere Verläufe (HACE/HAPE) sind selten, aber lebensbedrohlich.
Die wirksamste medikamentöse Vorbeugung ist Acetazolamid (Diamox®), 125 mg zweimal täglich, beginnend einen Tag vor dem ersten Aufstieg über 2’500 m, fortgesetzt während der Höhenexposition. Wichtig in der Beratung: Acetazolamid ist ein Diuretikum – Reisende sollten ausreichend trinken (mindestens 3 Liter pro Tag auf Höhe) und mit Kribbeln in den Fingern/Zehen rechnen (harmlos, vorübergehend). Bei Sulfonamid-Allergie kontraindiziert. Auch Acetazolamid ist rezeptpflichtig.
In der Apotheke kann zusätzlich abgegeben werden: Paracetamol oder Ibuprofen gegen die Kopfschmerzen, Antiemetikum (Dimenhydrinat) gegen Übelkeit. Die zentrale Botschaft bleibt aber: Wer auf Höhe ist und sich nicht besser fühlt, steigt ab. Medikamente ersetzen die Akklimatisation nicht.
Reisedurchfall – die Klassiker in der Reiseapotheke
50 Prozent aller Reisenden in Afrika oder Lateinamerika erleiden mindestens eine Episode Reisedurchfall – «Montezumas Rache» ist also kein Mythos. In der Apotheke gehört zur Standardausstattung:
Ein Elektrolytpulver (z.B. Elotrans®, Normolytoral®, Dioralyte®) zur oralen Rehydratation – wichtiger als jedes Antidiarrhoikum, besonders bei Kindern und älteren Reisenden. Ein Loperamid-Präparat (Imodium®) gegen die Symptome – darf bei blutigem Durchfall und Fieber nicht eingenommen werden, hier ist medizinische Hilfe angesagt. Ein Probiotikum (Saccharomyces boulardii) kann die Erholungszeit verkürzen.
Neu zunehmend diskutiert wird die Stand-by-Antibiotika-Gabe: Azithromycin als 500-mg-Tablette für 1–3 Tage wirkt zuverlässig gegen die meisten relevanten Erreger (E. coli, Campylobacter, Shigellen). Wird in der Schweiz auf Rezept und nach reisemedizinischer Beratung mitgegeben, vor allem für Risikoregionen Südostasien und Indien. Ciprofloxacin wird wegen zunehmender Resistenzen heute weniger empfohlen.
Wichtig in der Beratung: Reisedurchfall vermeidet man am wirkungsvollsten ausserhalb der Apotheke – sicheres Wasser, geschältes Obst, gut durchgegartes Essen. Die alte Faustregel «cook it, peel it or leave it» gilt unverändert.
Saisonal: Zecken, FSME, Sonne
Ergänzend zu den drei Schwergewichten sollten Reisende für die Schweiz nicht vergessen: FSME-Impfung für Wanderer und Jogger, Mückenschutz mit DEET oder Icaridin auch zu Hause (Tigermücken in Tessin, Genferseeraum), und Lichtschutz mit SPF 50+ für alle Hauttypen. Eine Reiseapotheke ist erst dann vollständig, wenn sie sowohl für die Tropenreise als auch für die Schweizer Bergtour reicht. Eine konkrete Packliste findest du im Beitrag Reise-Apotheke 2026 – was wirklich rein muss.
Fazit – früh in die Apotheke
Wer im Juli nach Afrika fliegt, geht idealerweise vier bis sechs Wochen vorher in die Apotheke oder ins Reisemedizin-Zentrum. Damit sind Malaria-Rezept, eventuelle Impfungen (Gelbfieber, Cholera, Hepatitis A/B) und die Reiseapotheke entspannt geplant statt last-minute kombiniert. Erster Schritt: Reise-Ziel und Datum auf healthytravel.ch eingeben – das offizielle Schweizer Reisemedizin-Portal liefert tagesaktuelle Empfehlungen pro Land und sagt klar, welche Medikamente und Impfungen sinnvoll sind. Mit dieser Liste lässt sich der Apotheken- oder Arztbesuch zielführend vorbereiten.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine reisemedizinische Beratung. Reisen mit chronischer Erkrankung, Schwangerschaft oder bei Kindern unter fünf Jahren brauchen eine individuelle ärztliche Abklärung.