Im Hochsommer klagen Apotheken regelmässig über einen Anstieg an Ratsuchenden mit Nasenbluten. Der Grund ist banal, aber typisch: Trockene Hitze, Klimaanlagen und ausgedörrte Schleimhäute lassen die feinen Gefässe in der Nase leichter platzen. Meist ist die Blutung harmlos und in wenigen Minuten gestoppt – vorausgesetzt, man macht es richtig. Genau da hakt es oft, denn viele halten sich an überholte Hausrezepte, die mehr schaden als nützen.
Erste Hilfe: der häufigste Fehler
Die wichtigste Regel zuerst: Den Kopf nach vorne beugen, nicht in den Nacken legen. Der alte Ratschlag, den Kopf zurückzuneigen, ist falsch. Er stoppt die Blutung nicht, sondern lässt das Blut in den Rachen laufen. Das kann zu Übelkeit führen, und man verliert die Kontrolle darüber, wie stark es eigentlich blutet.
Richtig geht es so: aufrecht sitzen oder stehen, den Kopf leicht nach vorne neigen, damit das Blut aus der Nase abfliessen kann. Dann die beiden weichen Nasenflügel mit Daumen und Zeigefinger fest zusammendrücken und diesen Druck ununterbrochen mindestens fünf bis zehn Minuten halten – ohne zwischendurch loszulassen, um «nachzuschauen». Ein kalt-feuchtes Tuch im Nacken oder auf der Nasenwurzel unterstützt zusätzlich: Der Kältereiz lässt die Gefässe zusammenziehen. Durch den Mund ruhig weiteratmen. In den allermeisten Fällen ist der Spuk nach dieser Zeit vorbei.
Danach: die Schleimhaut in Ruhe lassen
Ist die Blutung gestoppt, gilt für die nächsten Stunden Zurückhaltung. Nicht schnäuzen, nicht in der Nase bohren, keine grosse körperliche Anstrengung und möglichst keine sehr heissen Getränke – all das kann die frisch verschlossene Stelle wieder aufreissen. Wer zu früh kräftig schnäuzt, provoziert oft prompt die nächste Blutung.
Was die Apotheke empfehlen kann
Der eigentliche Hebel liegt bei der Vorbeugung, und hier ist die Apotheke stark. Wiederkehrendes Nasenbluten hat im Sommer sehr häufig mit trockenen Schleimhäuten zu tun. Befeuchtende Nasensprays oder -tropfen auf Basis von Meersalz oder Kochsalz halten die Schleimhaut geschmeidig, ohne abhängig zu machen – anders als abschwellende Sprays, die man nur kurz verwenden sollte. Pflegende Nasensalben, etwa mit Dexpanthenol, unterstützen die Heilung wunder oder rissiger Stellen im Naseneingang.
Auch das Raumklima ist ein Thema, das in der Beratung oft zur Sprache kommt: In stark klimatisierten oder beheizten Räumen hilft es, die Luft feucht zu halten und ausreichend zu trinken. Wer zu Nasenbluten neigt, kann die Innenwände der Nase abends dünn mit einer pflegenden Salbe schützen.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen – etwa nach einem Herzinfarkt, bei Vorhofflimmern oder Thrombose – bluten länger und stärker. Sie sollten Nasenbluten grundsätzlich ernster nehmen und im Zweifel früher fachlichen Rat einholen. Das Apothekenteam kann hier einordnen, ab wann Vorsicht geboten ist.
Wann es kein Fall mehr für die Apotheke ist
So harmlos die meisten Nasenbluten sind – es gibt klare Grenzen für die Selbsthilfe. Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn sich die Blutung bei Erwachsenen nach rund 20 Minuten korrekter Kompression nicht stoppen lässt, bei Kindern bereits nach etwa zehn Minuten. Ebenfalls abklären lassen sollten Sie sehr starkes, spritzendes oder pulsierendes Bluten, Nasenbluten nach einem Sturz oder Schlag auf Kopf oder Nase, besonders wenn Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit hinzukommen.
Auch häufig wiederkehrendes Nasenbluten ohne erkennbaren Anlass gehört ärztlich untersucht. Dahinter kann – muss aber nicht – etwas anderes stecken, etwa erhöhter Blutdruck oder eine Gerinnungsstörung. Wer Blutverdünner einnimmt und trotz Druck keine Kontrolle über die Blutung bekommt, sollte ebenfalls nicht zuwarten.
Fazit
Nasenbluten wirkt dramatischer, als es meistens ist. Mit der richtigen Technik – Kopf nach vorne, Nasenflügel fest zusammendrücken, kühlen und Geduld – stoppt die grosse Mehrheit der Blutungen von selbst. Der sommerliche Auslöser Nummer eins ist die trockene Schleimhaut, und genau dagegen hat die Apotheke wirksame, gut verträgliche Mittel zur Pflege und Vorbeugung. Wer die Warnzeichen für den Arztbesuch kennt und blutverdünnende Medikamente im Hinterkopf behält, ist auf der sicheren Seite. Ein passender Begleiter für die heissen Tage ist unser Beitrag Hitzewelle 2026: Medikamente richtig lagern.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.
Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger