Finanzen

Nachhilfe für Maturanden: BWL-Tutor als Studi-Nebenverdienst

Wer im dritten oder vierten BWL-Semester sitzt, hat den Stoff der Maturitätsprüfung in Buchhaltung, Volkswirtschaft und Statistik noch frisch im Kopf – und gleichzeitig genug Distanz, um ihn ruhig erklären zu können. Genau diese Kombination ist auf dem Schweizer Nachhilfemarkt sehr gefragt. Plattformen wie Superprof, Tutor24 oder GoStudent vermitteln 2026 Tausende Anfragen pro Woche, und kaum eine Wirtschaftsmittelschule oder Kantonsschule hat genug schulinternes Tutoring-Angebot. Für eine 20-bis-40-Prozent-Zeitinvestition kann ein BWL-Studi damit zwischen 600 und 2’000 Franken pro Monat erwirtschaften, sauber neben dem Studium.

Warum Maturanden ein dankbares Segment sind

Wer Mathematik, Rechnungswesen, VWL oder Statistik auf Maturitätsniveau erklärt, profitiert von drei strukturellen Vorteilen. Erstens ist die Zielgruppe planbar: Prüfungstermine, Schwerpunktfächer und Ferienpläne sind fix, was den eigenen Wochenkalender entlastet. Zweitens hat die Zahlungsbereitschaft der Eltern gerade vor schulrelevanten Prüfungen ein hohes Niveau – Stundensätze von CHF 50 bis 80 sind in Zürich, Genf, Basel und Bern problemlos durchsetzbar, in der Gymi-Vorbereitung sogar CHF 60 bis 100. Drittens ist der Stoff wiederholbar: Wer einmal sauberes Material für Maturitäts-Buchhaltung oder das Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht aufgebaut hat, nutzt es jahrelang für neue Schüler.

Aktive Möglichkeiten – wo die ersten Kunden herkommen

Der schnellste Weg in die ersten Stunden führt über Vermittlungsplattformen. Superprof ist 2026 in der Deutschschweiz der grösste Marktplatz – Profil anlegen ist kostenlos, der eigene Stundensatz frei wählbar zwischen CHF 20 und 80. Die Plattform behält keine Provision pro Stunde, finanziert sich aber über eine einmalige «Verbindungsgebühr» der Schüler. Tutor24 funktioniert ähnlich, mit etwas höherem Schweiz-Anteil und persönlicher Betreuung. GoStudent vermittelt eher klassische Schul-Nachhilfe (Sek, Gymi) und arbeitet mit fixen Tutoren-Honoraren.

Wer lieber unabhängig arbeiten möchte, baut sich ein Mini-Profil auf Instagram oder TikTok auf: «BWL-Lounge mit @your.handle – Buchhaltung erklärt in 60 Sekunden». Zwei bis drei kurze Reels pro Woche reichen, um lokal in Zürich oder Bern sichtbar zu werden. Wichtig: Stadtteil und Schule in der Bio nennen, ein einfacher Link zu Calendly oder zur eigenen WhatsApp-Nummer reicht für die Buchung.

Direkter Weg: Schulsekretariate kontaktieren. Viele Kantonsschulen führen schwarze Bretter oder digitale Tutor-Listen für interne Vermittlung. Eine knappe Mail mit eigenen Maturanoten und einem Foto reicht. Auch Lerncenter-Ketten (Tutorflix, easymath) suchen permanent Tutoren auf Werkvertragsbasis.

Passive Möglichkeiten – das eigene Material monetarisieren

Wer Stunden gibt, baut automatisch Unterrichtsmaterial auf – Zusammenfassungen, Übungsaufgaben mit Lösungen, Mindmaps zu Mikro/Makro. Dieses Material lässt sich ausserhalb der eigenen Lektionen verkaufen. Drei Wege haben sich bewährt: Ein PDF-Paket mit 30 Seiten «Maturitäts-Buchhaltung Übersicht inkl. Lösungswege» für CHF 19–39 auf Gumroad oder Etsy. Eine Notion-Vorlage mit Lernplan, Karteikarten-Template und Übungspool für CHF 9–19. Oder eine kurze YouTube-Playlist zu einem spezifischen Thema (z.B. «doppelte Buchhaltung in 90 Minuten»), die langfristig Werbeeinnahmen und neue Tutoring-Kunden bringt. Mehr zur Mechanik digitaler Mini-Produkte findest du im Beitrag Notion-Templates verkaufen – Gumroad und Notion Marketplace.

Wer eine ruhige Zwischensaison nutzt – Mai/Juni vor den Sommerferien, Oktober/November –, kann in 20–30 Stunden Arbeit ein digitales Mini-Produkt produzieren, das in der Hochsaison (vor Prüfungen im März, Juni, Dezember) jeden Monat 100–500 Franken Zusatzcashflow liefert, ohne neue Stunden geben zu müssen.

Realistische Zeitplanung 20–40 Prozent

Eine ehrliche Wochenrechnung: Eine bezahlte Nachhilfestunde kostet 90 Minuten Bruttozeit (60 Minuten Lektion + 20 Minuten Vorbereitung + 10 Minuten Anfahrt oder Videocall-Setup). Wer fünf Stunden pro Woche unterrichtet, blockt also rund 7.5 Stunden Brutto – passt sauber in einen 20-Prozent-Nebenjob. Bei zehn Stunden pro Woche (≈40 Prozent) kommt man auf 15 Brutto-Stunden, was im Semester gerade noch verträglich ist; in Klausurphasen sollten Sie dann frühzeitig Pausen kommunizieren.

Stundensatz-Realität: Anfangs CHF 40–50 pro 60 Minuten, nach drei bis sechs Monaten mit positiven Bewertungen auf CHF 60–80 erhöhbar. Pure Mathematik: 6 Stunden/Woche × CHF 60 × 40 Wochen = ca. CHF 14’400 pro Jahr brutto – steuerlich als Nebenerwerb bei der kantonalen Steuerverwaltung anzugeben. Bei mehr als CHF 2’300 Honorar pro Auftraggeber und Jahr fallen AHV-Beiträge an (Selbständigerwerb oder über Vereinfachtes Abrechnungsverfahren). Mehr zur Mechanik für Studierende im Beitrag Social-Media-Freelance: Erste Kunden als Studi.

Erster konkreter Schritt

Diese Woche: Ein Superprof-Profil anlegen, drei Schwerpunkte definieren (z.B. Maturitäts-Buchhaltung, Mikroökonomie 1. Semester, Statistik mit Excel), Stundensatz auf CHF 40 starten, drei lokale Schulen im Umkreis explizit als Zielgruppe nennen. Nach den ersten drei zufriedenen Schülern Bewertungen einsammeln, danach Stundensatz auf CHF 55 anheben. Parallel: Lernmaterial der eigenen Lektionen sauber digitalisieren – das ist das spätere passive Produkt.

Fazit

Nachhilfe als BWL-Studi ist kein klassischer «Hipster»-Nebenverdienst – aber einer der zuverlässigsten. Stundensatz, Nachfrage und Planbarkeit stehen, der Zeitaufwand bleibt überschaubar. Wer das aktive Geben mit einem passiven Material-Produkt kombiniert, hat ab dem dritten Semester eine kleine zweite Einkommensquelle, die das Studium finanziell entspannt – und nebenbei den eigenen Stoff zementiert.

← Zurück zur Übersicht