Coaches, Berater und Solopreneure in der Schweiz haben 2026 einen klaren Schmerzpunkt: Sie wissen, dass TikTok, Instagram Reels und YouTube Shorts ihre stärksten Akquisitionskanäle sind, aber sie haben weder Zeit noch Lust, dreissig Rohclips pro Monat zu schneiden, zu untertiteln und zu exportieren. Genau hier sitzen Studierende mit BWL-, Marketing- oder Kommunikationshintergrund mit allem, was sie brauchen: Geschmack, Software-Bedienung und drei freie Halbtage pro Woche. Der Markt ist reif, die Eintrittsbarriere niedrig, der Preis pro Auftrag stabil.
Warum gerade jetzt – und warum BWL-Studis darauf passen
Der schweizerische Coaching- und Beratungsmarkt hat 2025 und 2026 spürbar in Personal Branding investiert; Plattformen wie LinkedIn, TikTok und Instagram sind aus dem Inboundgeschäft nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig kostet ein klassischer Videoeditor in Zürich oder Bern 90–140 Franken pro Stunde – für einen einzelnen 45-Sekunden-Clip ist das kommerziell schwer zu rechtfertigen. Eine Studentin, die mit CapCut Pro, Submagic und einem soliden Workflow arbeitet, schneidet denselben Clip in 25–35 Minuten und stellt 40–70 Franken pro Stück in Rechnung. Für den Coach bleibt das günstig, für die Studentin entsteht ein stabiler Stundenertrag von 80–120 Franken.
Die BWL-affinen Vorteile sitzen vor allem im Verkaufsteil: Pakete kalkulieren, Retainer aufbauen, Verträge fair gestalten, Mehrwertsteuer-Logik verstehen (bis CHF 100’000 Jahresumsatz keine MwSt-Pflicht), Buchhaltung in Bexio oder Tide minimal halten. Wer Marketing-Module schon im Studium gehört hat, kann den Kunden zudem nicht nur Editing, sondern auch Hook-Vorschläge, Caption-Schreiben und Hashtag-Strategie verkaufen – das hebt den Preis pro Clip schnell um 30–50 %.
Aktive Säule: Retainer und Einzelaufträge
Die produktive Aufstellung beginnt mit einem klaren Lieferpaket. Bewährt hat sich der monatliche Retainer mit drei Stufen: 12 Clips für CHF 580, 20 Clips für CHF 880, 30 Clips für CHF 1’200 – jeweils inklusive automatischer Untertitel, Hook-Optimierung, Musik und Export in drei Formaten (9:16, 1:1, 16:9). Der Coach liefert die Rohaufnahmen über einen geteilten Dropbox- oder Frame.io-Ordner, die Studentin produziert innerhalb von 72 Stunden.
Die richtigen Werkzeuge sind 2026 erstaunlich günstig: CapCut Pro (ca. CHF 90 pro Jahr) deckt 90 % aller Edits ab, Submagic (ca. CHF 30 pro Monat) liefert die schnellsten Auto-Captions mit Hervorhebungen und Animationen, Descript lohnt sich für längere Talking-Heads. Wer mit zwei Bildschirmen arbeitet (Laptop plus iPad mit Sidecar) skaliert die Bearbeitungsgeschwindigkeit um 30–40 %. Die Akquise läuft fast ausschliesslich über LinkedIn-Direktnachrichten an Schweizer Coaches und über das Beobachten von Coaches, die selbst zu wenig posten – ein zweiminütiger Mini-Audit per Loom-Video als Erstkontakt konvertiert deutlich besser als ein Standard-Pitch.
Passive Säulen: Templates und Presets verkaufen
Wer 30–50 Clips pro Monat geschnitten hat, hat eine Sammlung an wiederverwendbaren Building Blocks: CapCut-Templates für Hook-Animationen, Submagic-Presets, Notion-Templates für die Content-Planung. Diese Assets lassen sich auf Plattformen wie Gumroad, Lemon Squeezy oder direkt im eigenen Mini-Shop für CHF 9–29 pro Stück verkaufen. Der Trick: Templates direkt aus den Kundenprojekten als Side-Effect generieren, nicht separat produzieren.
Realistisch sind nach 6–12 Monaten passive Monatserlöse von CHF 200–600 pro Monat – kein Hauptgeschäft, aber ein hübscher Cashflow zwischen den Semestern. Wer einen Schritt weiter gehen will, baut einen Mini-Kurs «Reels für Coaches – in 30 Minuten pro Clip» auf Teachable oder Memberspot. Solche Mini-Kurse verkaufen sich in der Coach-Bubble gut, weil die Zielgruppe gewohnt ist, für Wissen zu zahlen.
Realistische Zeitplanung 20–40 %
Auf 20 % bedeutet das: pro Woche 8 Stunden, davon 5 Stunden Editing (12–15 Clips), 2 Stunden Akquise und Customer Communication, 1 Stunde Buchhaltung und Tools. Erreichbarer Monatsumsatz: CHF 1’200–1’800 brutto. Auf 40 %: 16 Stunden pro Woche, 25–35 Clips, drei aktive Retainer-Kunden, ein bis zwei Einzelprojekte. Realistischer Monatsumsatz: CHF 2’800–4’200 brutto, abzüglich AHV/Säule 3a-Beiträge und Software ergibt netto rund CHF 2’200–3’400.
Wichtig ist die harte Stundenkontrolle: Wer den Stundensatz unter CHF 60 fallen lässt, weil zu viele Korrekturschleifen entstehen, hat einen schlechten Prozess – nicht einen schlechten Markt. Klare Korrektur-Regeln im Vertrag (zwei Iterationen inklusive, weitere CHF 25 pro Runde) halten den Aufwand im Rahmen.
Verwandt: Wer schon im Pinterest-Marketing oder im Meta-Ads-Geschäft unterwegs ist, kombiniert das beides – die Meta-Ads-Management-Retainer für Schweizer KMU sind ein technisch verwandtes Angebot mit höheren Preisen pro Kunde.
Erster konkreter Schritt
Drei Coaches in der Schweiz auswählen, die regelmässig auf LinkedIn posten, aber nie als Kurzvideo. Pro Coach ein 60-Sekunden-Beispielvideo aus deren letztem Talk oder Webinar schneiden (mit Submagic-Untertiteln, einem Hook und einem Call-to-Action) und das Ergebnis per Direktnachricht ohne Bedingung verschicken. Konversionsrate liegt erfahrungsgemäss zwischen 15 % und 25 %. Aus drei Sendungen entstehen die ersten ein bis zwei zahlende Kunden – und damit die Basis für ein skalierbares Studenten-Setup neben dem BWL-Studium.