Home Assistant

Eve Weather in HA: Drucktrend statt Wetter-API

Wer in Home Assistant Wetter-Automatisationen baut, greift fast immer auf eine externe Wetter-API zurück – MeteoSwiss, OpenWeather, AccuWeather. Funktioniert gut, hängt aber an der Cloud, am API-Limit und an der Annahme, dass die Vorhersage für den Standort des Anbieters auch für das eigene Grundstück gilt. Es gibt eine elegante lokale Alternative: einen kleinen HomeKit-Sensor wie das Eve Weather, der Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit direkt vor Ort misst – und dessen 24-Stunden-Drucktrend ein erstaunlich zuverlässiges Signal für Wetterwechsel liefert.

Warum der Luftdruck

Meteorologen nutzen den Luftdruck seit über 200 Jahren als Wettervorhersage. Die Logik ist simpel: Fallender Druck deutet auf eine herannahende Schlechtwetterfront hin, steigender Druck auf stabile Hochdrucklage. Ein Eve Weather misst genau das – zusammen mit Temperatur und Feuchte – und meldet zusätzlich einen klassifizierten Wettertrend (sunny, cloudy, rainy, stormy). In Home Assistant wird daraus die Entität sensor.eve_weather_20ebs9901_wettertrend, ergänzt durch sensor.eve_weather_20ebs9901_druck für den nackten hPa-Wert.

Der grosse Vorteil gegenüber einer API: Die Messung findet hier statt, mit ein paar Metern Auflösung, ohne Cloud-Abhängigkeit und ohne Rate-Limit. Wer in einem Tal oder am Hang wohnt, weiss, wie stark sich das lokale Wetter von der nächsten Wetterstation 10 Kilometer entfernt unterscheiden kann.

Schritt 1: Eve Weather in HA einbinden

Eve Sensoren sprechen HomeKit. Home Assistant hat dafür die Integration «HomeKit Controller», die auf Bluetooth Low Energy zugreift. Voraussetzung: ein Bluetooth-Adapter am HA-Host, idealerweise mit ESPHome BLE-Proxy verstärkt, wenn der Sensor weiter weg installiert ist.

Nach dem Pairing erscheinen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Druck, Batterie und Wettertrend automatisch als Entitäten. Die Höhe über dem Meeresspiegel lässt sich über number.eve_weather_20ebs9901_hohe_uber_meeresspiegel justieren – wichtig, damit der Druck zum normierten QNH-Wert konvertiert wird und sich mit der Wetterkarte vergleichen lässt.

Schritt 2: Drucktrend-Sensor selbst bauen

Der eingebaute Wettertrend von Eve ist nett, aber wer eigene Trigger bauen will, baut sich einen Template-Sensor, der den Druckverlauf der letzten 6 oder 12 Stunden auswertet:


template:
  - sensor:
      - name: "Drucktrend 6h"
        unit_of_measurement: "hPa"
        state: >
          {% set jetzt = states('sensor.eve_weather_20ebs9901_druck') | float %}
          {% set vorher = state_attr('sensor.eve_weather_20ebs9901_druck', 'last_updated_6h') | float(jetzt) %}
          {{ (jetzt - vorher) | round(1) }}
        availability: >
          {{ states('sensor.eve_weather_20ebs9901_druck') not in ['unknown', 'unavailable'] }}

Eleganter geht es mit der statistics-Integration, die Min/Max/Mittelwert über einen Zeitraum berechnet:


sensor:
  - platform: statistics
    name: "Druck 6h Mittel"
    entity_id: sensor.eve_weather_20ebs9901_druck
    state_characteristic: mean
    max_age:
      hours: 6

Aus beiden Werten lässt sich ein Trigger ableiten: Fällt der Druck innerhalb von 6 Stunden um mehr als 3 hPa, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Wetterfront durch.

Schritt 3: Konkrete Automatisationen

Das Eve Weather wird zur Schaltzentrale für lokale Wetter-Logik:


automation:
  - alias: "Markise einfahren bei fallendem Druck"
    trigger:
      - platform: numeric_state
        entity_id: sensor.drucktrend_6h
        below: -3
    condition:
      - condition: state
        entity_id: cover.markise
        state: open
    action:
      - service: cover.close_cover
        target:
          entity_id: cover.markise
      - service: notify.mike
        data:
          title: "Wetterwechsel kommt"
          message: "Druck fällt schnell, Markise eingefahren."

Weitere sinnvolle Trigger: Lüftungs-Empfehlung bei stabilem Hochdruck und tiefer Aussenluftfeuchte, automatisches Schliessen der Dachfenster, Push-Erinnerung an die Gartenmöbel-Sicherung bei Sturm-Trend, oder das Vorwarnen der Luftentfeuchter, wenn der Druck fällt und damit die relative Feuchte steigt.

Für die kombinierte Sicht auf Innen- und Aussenmessung lohnt sich der Blick auf die Logik aus dem Beitrag zur VINDSTYRKA-Luftqualität – beide Sensoren ergänzen sich gut.

Fazit: Lokale Daten schlagen ferne Vorhersagen

Eine externe Wetter-API zeigt, was an einer fremden Messstation passiert. Ein Eve Weather zeigt, was 50 Zentimeter vor dem eigenen Fenster passiert. Für Home-Assistant-Automatisationen mit lokalem Hebel – Markisen, Fenster, Lüftung – ist das deutlich aussagekräftiger. Wer ohnehin schon Bluetooth-Sensoren verteilt hat, ergänzt das Setup mit zwei oder drei Eve-Weather-Geräten an Nord- und Südfassade. Aus drei Messpunkten wird ein lokales Mikroklima-Profil, das jeder Cloud-API überlegen ist.

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