Finanzen

AI-Training für Studis: Outlier, Scale, DataAnnotation

Wer als BWL-Studi in der Schweiz einen Nebenjob sucht, der zeitlich frei einteilbar ist, im Homeoffice läuft und überdurchschnittlich zahlt, sollte sich die AI-Training-Plattformen ansehen. Outlier (Tochterfirma von Scale AI), DataAnnotation und Mercor zahlen 2026 zwischen 18 und 65 Dollar pro Stunde dafür, dass Menschen Antworten von Sprachmodellen bewerten, eigene Prompts schreiben und Modelle in Spezialdomänen trainieren. Schweiz ist auf den meisten Plattformen freigeschaltet, Auszahlungen erfolgen in Dollar via PayPal oder Wise.

Was die Arbeit konkret ist

Drei Aufgabentypen dominieren. Erstens: Ranking. Das Modell generiert zwei oder mehr Antworten auf eine Frage, die Studi entscheidet, welche besser ist – und begründet das in zwei bis fünf Sätzen. Zweitens: Prompt-Schreiben. Man entwirft komplexe Aufgabenstellungen für das Modell und liefert die Musterlösung mit, damit das Modell daran trainiert wird. Drittens: Spezialdomäne. Wer BWL studiert, kann Aufgaben zu Buchhaltung, Bilanzanalyse, Marketing-Strategie oder Mikroökonomie bearbeiten. Genau hier ist das BWL-Studium ein echtes Asset: Es gibt deutlich mehr Aufgaben aus Code und Mathematik, aber die wenigen Wirtschafts-Aufgaben sind unbesetzt und entsprechend gut bezahlt.

Die Sprache ist meist Englisch, mit zunehmendem Anteil deutscher Tasks bei Outlier und Mercor – wer auf Schweizerdeutsch-Nuancen achten kann (Spezialprojekte für lokale Modelle), bekommt einen weiteren Bonus. Eine Schicht dauert typischerweise 30 bis 120 Minuten, die Plattform-Software trackt Bearbeitungszeit automatisch.

Stundensätze 2026 realistisch

Der Einstiegssatz auf Outlier und Scale liegt bei 15 bis 25 Dollar pro Stunde für generalistische Tasks. Wer als Wirtschafts-Spezialistin eingestuft wird (Fragebogen plus Probe-Tasks), springt auf 25 bis 35 Dollar. Coder, Mathematikerinnen und PhD-Niveau werden mit 50 bis 65 Dollar entlöhnt. DataAnnotation arbeitet mit Festpreisen pro Task (typisch 0.50 bis 5 Dollar), die effektive Stundenrate liegt bei 18 bis 40 Dollar bei sauberem Arbeitstempo. Mercor agiert als Vermittler und bezahlt projektbasiert – häufig 30 bis 80 Dollar pro Stunde für sieben- bis zehntägige Mini-Projekte.

Ein BWL-Studi mit 20 Wochenstunden bei realistisch 22 Dollar Schnitt landet bei rund 1’900 Dollar pro Monat brutto. Bei 30 Stunden mit Spezialisierungs-Bonus rund 2’800 bis 3’500 Dollar. Wer parallel auf zwei Plattformen aktiv ist und Lücken zwischen Task-Verfügbarkeiten überbrückt, kommt eher in den oberen Bereich.

Aufnahmeprozess und Stolperfallen

Anmeldung läuft online: E-Mail, Lebenslauf, oft ein Coding- oder Schreib-Sample. Es folgen unbezahlte Trainings (1 bis 4 Stunden) zur Plattform-Logik und Bewertungs-Rubrik. Wer den Test besteht, wird in einen Pool aufgenommen und sieht im Dashboard verfügbare Tasks. Die Aufnahme dauert je nach Andrang zwischen einer und drei Wochen. Outlier akzeptiert Studi-Status; Doktorate sind nicht zwingend.

Drei Fallstricke: Erstens steuerlich – die Einkünfte sind in der Schweiz selbständige Erwerbstätigkeit oder Honorartätigkeit und müssen in der Steuererklärung deklariert werden. Bei mehr als 9’800 Franken Jahresumsatz ist AHV-Pflicht als Selbständiger gegeben, Anmeldung bei der Ausgleichskasse erforderlich. MWST greift erst ab 100’000 Franken Umsatz – für Studi-Verhältnisse irrelevant. Zweitens datenschutzrechtlich: Tasks können vertrauliche oder ungefilterte Inhalte enthalten. NDAs sind Standard. Drittens Konstanz: Task-Verfügbarkeit schwankt stark, Wartezeiten von Tagen zwischen Projekten sind normal. Das ist kein verlässliches Einkommen für Fixkosten, sondern ergänzendes Nebeneinkommen.

Aktive und passive Säulen kombinieren

Die AI-Plattformen sind die aktive Säule. Wer die Spezialisierung auf BWL-Themen ernst nimmt, kann daraus aber auch passives Material schöpfen: Aus 100 ausführlich beantworteten Bilanzanalyse-Aufgaben entsteht ein Notion-Template-Pack für Studis, das auf Gumroad als 29-Franken-Produkt monatliche Restzahlungen bringt. Wer parallel SEO-Texte für Schweizer KMU schreibt und einen Blog zu seinem Studi-Bereich pflegt, baut sich nebenbei eine Sichtbarkeit für andere Engagements auf.

Empfohlene Aufteilung im 30-Prozent-Pensum: 12 Stunden Outlier oder DataAnnotation als verlässliche Einkommens-Säule, 6 Stunden für Spezialisierung (eigene Domain wie Marketing-Analytics, Finance), 2 Stunden für die passive Säule (Templates, Blog, eigenes Mini-Produkt).

Realistische Zeitplanung 20 bis 40 Prozent

Bei 20 Prozent (8 Stunden Woche): 700 bis 1’200 Franken pro Monat. Reicht für die Krankenkassen-Prämie plus Ausgang. Bei 30 Prozent (12 Stunden): 1’300 bis 2’200 Franken. Bei 40 Prozent (16 Stunden): 1’800 bis 3’500 Franken – mehr als die meisten klassischen Studi-Jobs (Restaurant, Detailhandel) bei deutlich flexibleren Arbeitszeiten. Wichtig: Die kognitive Last ist hoch, mehr als 4 Stunden am Stück sind unrealistisch. Empfohlen: zwei Sessions à 2 Stunden pro Tag, in den Lernpausen oder am Abend.

Erster konkreter Schritt

Heute Abend: Auf Outlier.ai registrieren (Subdomain «join»), Lebenslauf hochladen, das BWL-Studium prominent erwähnen. Parallel auf datannotation.tech und mercor.com bewerben. Wenn nach drei Wochen keine Zusage kommt: über LinkedIn nach «recruiter Outlier» oder «recruiter Scale AI» suchen und persönlich anschreiben. Wer parallel eine schmale, themenfokussierte Online-Präsenz aufbaut (eine Notion-Seite zur eigenen BWL-Spezialisierung reicht für den Anfang), hat in zwölf Monaten realistisch zwei Einkommens-Säulen statt einer.

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