Hue selbst bietet seit Jahren einen «natürliches Licht»-Schalter, der morgens kalt und abends warm leuchtet. Wer den Modus einmal mit der gleichnamigen HACS-Integration in Home Assistant vergleicht, will nicht mehr zurück: Die Adaptive-Lighting-Integration steuert Farbtemperatur und Helligkeit pixelgenau über die lokale Sonnenposition, lässt sich pro Raum konfigurieren und macht aus dem Hue-Account in der Cloud einen passiven Zuschauer. Für ein Haus mit dutzenden Hue-Lampen (light.erdgeschoss, light.kuche_2, light.anais, light.buro und so weiter) ist das die wahrscheinlich nützlichste Custom Integration überhaupt.
Was Adaptive Lighting eigentlich tut
Die Integration berechnet aus der lokalen Sonnenposition kontinuierlich zwei Kurven: eine Farbtemperatur-Kurve (zum Beispiel 6500 K mittags, 2200 K nach Sonnenuntergang) und eine Helligkeits-Kurve (100 % tagsüber, 1 % in der Nacht). Sobald eine eingebundene Lampe eingeschaltet wird, übernimmt sie den aktuellen Kurvenwert. Solange die Lampe an ist, passt Adaptive Lighting sie alle 90 Sekunden in kleinen Schritten an – per light.turn_on-Service mit Transition. Das funktioniert mit jeder Hue-, IKEA-Tradfri-, Shelly- oder generischen Zigbee-Lampe, die Farbtemperatur oder Helligkeit unterstützt.
Installation in fünf Minuten
Adaptive Lighting wird über HACS (Home Assistant Community Store) installiert – Repository basnijholt/adaptive-lighting. Nach Neustart erscheint die Integration im UI unter «Geräte & Dienste hinzufügen». Für jeden Raum legt man eine eigene Instanz an – zum Beispiel «Wohnzimmer», «Büro», «Schlafzimmer Anaïs» – und ordnet ihr die entsprechenden Lichtentitäten zu. Pro Instanz entstehen drei Schalter im HA:
switch.adaptive_lighting_buro # Master-Schalter
switch.adaptive_lighting_sleep_mode_buro # Nacht-/Sleep-Modus
switch.adaptive_lighting_adapt_brightness_buro
switch.adaptive_lighting_adapt_color_buro
Mit den letzten beiden lässt sich entscheiden, ob nur die Farbtemperatur oder auch die Helligkeit angepasst werden soll – im Bürolicht (light.buro) macht oft nur die Farbtemperatur-Anpassung Sinn, während die Helligkeit per Tap Dial selbst gewählt wird.
Die wichtigen Parameter
Die Standardwerte sind ein guter Start, aber drei Optionen lohnen sich, direkt anzupassen:
min_color_temp: 2200 # Wärme am Abend (Kerzenlicht-nah)
max_color_temp: 5500 # Tageslicht (statt der 6500K-Voreinstellung)
sunrise_offset: "00:30:00" # Sonnenaufgang um 30 Min. nach hinten
sunset_offset: "-00:30:00" # Sonnenuntergang um 30 Min. nach vorne
transition: 45 # Sekunden für sanften Übergang
take_over_control: true
detect_non_ha_changes: true
Der Schlüsselparameter ist take_over_control: Sobald jemand am Hue Tap Dial dreht, am IKEA Shortcut Button drückt oder direkt in der Hue-App eine Szene aktiviert, pausiert Adaptive Lighting automatisch für diese Lampe – bis sie ausgeschaltet und neu eingeschaltet wird. So gewinnt man die Vorteile der Automation, ohne den manuellen Hue-Bedienkomfort zu verlieren. detect_non_ha_changes schliesst noch die Lücke, in der Hue-App-Änderungen sonst überschrieben würden.
Sleep-Mode für nachts
Der Sleep-Mode-Schalter aktiviert eine deutlich tiefere Farbtemperatur (typisch 1000–1800 K, rötliches Licht) und eine niedrigere maximale Helligkeit (zum Beispiel 1 %). Das ist praktisch für Wege ins Bad oder die Küche um drei Uhr morgens: Licht da, aber nicht hell genug, um den Schlaf zu unterbrechen. Eine sinnvolle Automation aktiviert den Sleep-Mode automatisch, sobald die Person not_home ist und nach Mitternacht das Haus betritt, oder per Tap-Dial-Doppelklick.
trigger:
- platform: time
at: "23:30:00"
action:
- service: switch.turn_on
target:
entity_id:
- switch.adaptive_lighting_sleep_mode_wohnzimmer
- switch.adaptive_lighting_sleep_mode_erdgeschoss
Am Morgen schaltet eine Gegenautomation um 06:30 den Sleep-Mode wieder aus, und Adaptive Lighting steuert in die normale Tageskurve zurück – ohne dass jemand etwas tun muss.
Konflikte mit Szenen und Hue Entertainment
Klassische Hue-Szenen (scene.kuche_konzentrieren, scene.anais_lesen und so weiter) schalten Lampen mit festen Werten. Sobald die Szene aktiviert wird, sieht Adaptive Lighting eine «manuelle» Änderung und pausiert – exakt das gewünschte Verhalten. Im Entertainment-Modus übernimmt die Hue Bridge die volle Kontrolle, hier ist Adaptive Lighting ohnehin still. Wer das Zusammenspiel der beiden Lichtsteuerungen bereits in der allgemeinen Notification-Logik nutzt, findet eine ergänzende Sicht im Beitrag Cololight in HA: light.cololight60 zähmen – das gleiche Prinzip von Snapshot und Wiederherstellung passt auch hier.
Realismus
Adaptive Lighting ist kein Ersatz für eine ordentliche Tageslicht-Planung. In dunklen Räumen ohne Fenster bleibt die Wahrnehmung künstlich, weil das Auge nicht durch die Tageslicht-Spektrale Reize bekommt. Auch der Schlafhygiene-Effekt ist in Studien geringer als oft behauptet – Warmes Licht am Abend ist ein Mosaikstein, nicht die Lösung. Was aber gut funktioniert: Das Haus fühlt sich subjektiv stimmiger an, weil Lichtfarbe und Tageszeit korrelieren. Genau dieser kleine Unterschied – kein Wow-Effekt, aber tagelange Konsistenz – ist der eigentliche Mehrwert.
Fazit
Adaptive Lighting ersetzt in Hue das «natürliches Licht»-Feature durch eine lokale, raumspezifisch konfigurierbare Steuerung und macht aus jedem Zigbee-Setup eine kohärente Licht-Choreografie über den ganzen Tag. Ein Wochenend-Setup, das danach im Hintergrund läuft – exakt das, wozu HA gedacht ist.