Finanzen

Employer Branding: Recruiting-Content für KMU

Schweizer KMU finden kaum noch Fachkräfte – nicht, weil sie schlechte Arbeitgeber wären, sondern weil sie unsichtbar bleiben. Während Grosskonzerne ganze Marketingteams auf ihre Arbeitgebermarke ansetzen, fehlt dem Maler-, Treuhand- oder IT-Betrieb mit zwanzig Angestellten schlicht die Zeit, regelmässig zu zeigen, wie es sich bei ihm arbeitet. Genau hier öffnet sich für dich als BWL-Studierende oder -Studierender eine Lücke: Employer-Branding-Content für KMU ist ein Nebenverdienst, der Marketing-Wissen, Social-Media-Gespür und einen klaren Markt zusammenbringt – und der sich gut mit einem 20- bis 40-Prozent-Pensum vereinbaren lässt.

Warum gerade jetzt

Employer Branding gilt 2026 als einer der zentralen Erfolgsfaktoren für Schweizer Firmen, und der Fachkräftemangel macht das Thema für KMU dringlich. Talente informieren sich heute auf Instagram, TikTok und LinkedIn über potenzielle Arbeitgeber, bevor sie überhaupt eine Bewerbung schreiben. Ein Betrieb, der dort nicht stattfindet, existiert für viele Kandidatinnen und Kandidaten nicht.

Das Problem der KMU ist selten das Geld, sondern die Umsetzung. Eine Social-Media-Strategie muss gar nicht aufwendig sein – wichtig ist, dass überhaupt regelmässig Inhalte erscheinen, die zur Arbeitgebermarke passen. Genau diese Regelmässigkeit können kleine Betriebe intern nicht leisten. Du springst als externe Kraft ein, die den Content plant, produziert und veröffentlicht, ohne dass im Betrieb jemand zur Kamera greifen muss.

Aktive Möglichkeiten: Dein Angebot

Der naheliegendste Einstieg ist ein monatliches Content-Paket. Du besuchst den Betrieb einmal pro Monat für zwei bis drei Stunden, sammelst Eindrücke, drehst kurze Handyvideos vom Team, von einem typischen Arbeitstag, von einem fertigen Projekt – und produzierst daraus vier bis acht Reels oder Posts, die du über den Monat verteilt veröffentlichst. Solche Pakete lassen sich gut zwischen 600 und 1’500 Franken pro Monat ansetzen, je nach Umfang und deiner Erfahrung.

Ein zweites Standbein sind konkrete Stelleninserate als Video. Statt eines trockenen Textinserats produzierst du ein kurzes Jobvideo, in dem die künftige Teamleiterin selbst erzählt, wen sie sucht. Solche Einzelaufträge bringen schnell sichtbare Resultate und sind ein guter Türöffner. Drittens kannst du die Betreuung des LinkedIn- oder Instagram-Profils als laufendes Abo anbieten: Du planst den Redaktionskalender, schreibst die Captions und beantwortest Kommentare. Damit wird aus einem einmaligen Auftrag eine wiederkehrende Einnahme.

Passive Möglichkeiten: Wissen verpacken

Sobald du den Ablauf beherrschst, lässt sich ein Teil davon skalieren. Erstelle eine Vorlagen-Sammlung – Canva-Templates für Recruiting-Posts, Storyboards für Jobvideos, fertige Caption-Bausteine – und verkaufe sie als digitales Produkt an andere KMU, die selbst Hand anlegen wollen. Einmal erstellt, verkauft sich ein solches Set immer wieder.

Ebenso funktioniert ein kompakter Leitfaden oder Mini-Kurs, der erklärt, wie ein kleiner Betrieb mit dem Handy in einer Stunde pro Woche Recruiting-Content produziert. Solche Produkte verdienen nicht über Nacht, bauen aber mit der Zeit ein zweites, von deiner Arbeitszeit unabhängiges Einkommen auf. Wer ohnehin schon Kunden betreut, hat den perfekten Beweis, dass die Methode funktioniert.

Realistische Zeitplanung bei 20–40 Prozent

Zwei bis drei KMU-Kunden parallel sind neben dem Studium gut machbar. Rechne pro Kunde mit einem halben Tag Dreh und einem halben Tag Schnitt und Planung pro Monat – also rund zwei Arbeitstage. Drei Kunden ergeben damit etwa sechs Tage im Monat, was einem 30-Prozent-Pensum entspricht und sich um Vorlesungen herum legen lässt. Der Schlüssel ist, Drehtermine zu bündeln und mit wiederkehrenden Abos statt ständig neuer Einzelaufträge zu arbeiten.

Erster konkreter Schritt

Such dir einen einzigen Betrieb aus deinem Umfeld – den Coiffeur deiner Familie, das Treuhandbüro eines Bekannten, den Handwerksbetrieb um die Ecke – und biete ihm ein kostenloses Pilot-Reel an. Dreh es, veröffentliche es, miss die Reaktionen. Dieses eine Referenzvideo ist dein wichtigstes Verkaufsargument für alle weiteren, dann bezahlten Kunden. Wie du solche ersten Kunden systematisch gewinnst, zeigt der Beitrag zu Social-Media-Freelance.

Fazit

Employer-Branding-Content trifft einen echten Schmerzpunkt der Schweizer Wirtschaft – und genau das macht ihn als Nebenverdienst so tragfähig. Du brauchst kein teures Equipment, sondern ein Smartphone, ein Gespür für Geschichten und die Bereitschaft, regelmässig zu liefern. Wer früh anfängt und ein erstes Referenzprojekt vorweisen kann, baut sich neben dem Studium nicht nur ein Einkommen auf, sondern ein Portfolio, das nach dem Abschluss Türen öffnet.

← Zurück zur Übersicht