Finanzen

Discount-Zertifikate: Cashflow im Seitwärtsmarkt

Nicht jeder Markt steigt, und nicht jeder will warten, bis er es wieder tut. Wer 2026 mit einem Portfolio sitzt, das sich seit Monaten kaum bewegt, kennt das Gefühl: Die grossen Kurssprünge bleiben aus, die Dividenden tröpfeln nur langsam. Genau für diese Phasen gibt es ein Schweizer Anlageinstrument, das viele übersehen, weil es nach Profi-Jargon klingt – das Discount-Zertifikat. Dahinter steckt eine erstaunlich einfache Idee: Sie kaufen eine Aktie mit Rabatt und nehmen dafür in Kauf, dass Ihr Gewinn nach oben gedeckelt ist. In stagnierenden oder leicht steigenden Märkten kann das mehr Ertrag bringen als die Aktie selbst.

Wie der Rabatt zum Puffer wird

Ein Discount-Zertifikat bildet einen Basiswert ab – etwa eine SMI-Aktie wie Nestlé oder Roche – und Sie steigen günstiger ein, als die Aktie aktuell kostet. Dieser Preisnachlass, der Discount, ist der Kern des Ganzen. Im Gegenzug verzichten Sie auf zwei Dinge: auf die Dividende und auf die unbegrenzte Teilnahme an Kurssteigerungen. Denn das Zertifikat hat einen sogenannten Cap, eine Obergrenze, bis zu der Sie profitieren.

Schliesst die Aktie am Verfallstag auf oder über dem Cap, erhalten Sie den maximalen Betrag ausbezahlt – das ist Ihre Höchstrendite. Liegt der Kurs darunter, bekommen Sie die Aktien ins Depot geliefert oder den entsprechenden Gegenwert in bar. Der Discount wirkt dabei wie ein Sicherheitspolster: Erst wenn die Aktie um mehr als den gewährten Rabatt fällt, rutschen Sie in die Verlustzone. Solange sie seitwärts läuft oder sogar leicht sinkt, fahren Sie mit dem Zertifikat besser als mit der Direktanlage.

Der ehrliche Zielkonflikt: Discount gegen Rendite

Zwischen der Höhe des Rabatts und der erreichbaren Maximalrendite besteht ein klarer Zusammenhang – und zwar ein gegenläufiger. Setzen Sie den Cap tief an, nahe oder unter dem aktuellen Kurs, erhalten Sie einen grossen Discount und damit viel Sicherheitspuffer, aber nur eine bescheidene Maximalrendite. Wählen Sie einen hohen Cap, fällt der Rabatt kleiner aus, dafür ist die mögliche Rendite grösser, wenn die Aktie steigt.

Diese Wahl ist im Grunde eine Wette auf Ihre eigene Markterwartung. Rechnen Sie mit einer Seitwärtsbewegung oder leicht fallenden Kursen, ist ein defensives Zertifikat mit tiefem Cap und hohem Discount das passende Werkzeug. Glauben Sie an moderat steigende Kurse, dürfen Sie offensiver werden. Genau in diesem Mittelfeld – Märkte, die weder abstürzen noch durch die Decke gehen – spielen Discount-Zertifikate ihre Stärke aus. Bei einem kräftigen Bullenmarkt hingegen bremst der Cap Sie aus, und die Direktanlage wäre die bessere Wahl gewesen.

Worauf Schweizer Anleger achten sollten

Discount-Zertifikate sind an der SIX Swiss Exchange handelbar und werden von Banken wie der Zürcher Kantonalbank, Vontobel oder UBS emittiert. Drei Punkte verdienen Beachtung. Erstens das Emittentenrisiko: Ein Zertifikat ist rechtlich eine Schuldverschreibung der ausgebenden Bank. Geht der Emittent pleite, ist Ihr Geld nicht durch die Einlagensicherung geschützt – der CS-Fall hat in Erinnerung gerufen, dass selbst grosse Namen straucheln können. Streuen Sie deshalb über mehrere Emittenten.

Zweitens die Laufzeit: Die meisten Produkte laufen über Monate bis wenige Jahre. Wählen Sie einen Horizont, der zu Ihrer Markterwartung passt, und planen Sie, das Zertifikat bis zur Fälligkeit zu halten. Drittens die Steuern: Anders als bei Dividenden, die als Einkommen versteuert werden, ist der Kursgewinn aus einem klassischen Discount-Zertifikat für Privatanleger in der Regel steuerfrei – ein oft unterschätzter Vorteil. Bei der konkreten Ausgestaltung lohnt der Blick ins Termsheet oder die Rücksprache mit der Steuerberatung. Verwandt im Aufbau, aber mit fixem Couponversprechen statt Rabatt arbeiten die Barrier Reverse Convertibles – ein Vergleich der beiden Produktfamilien lohnt sich.

Fazit: Das Werkzeug für die ruhige See

Discount-Zertifikate sind kein Allheilmittel und kein Ersatz für ein breit gestreutes Depot. Aber sie füllen eine Lücke, die viele Anlegerinnen und Anleger schmerzlich kennen: Sie machen aus stagnierenden Märkten einen kalkulierbaren Ertrag. Wer den Mechanismus von Discount und Cap verstanden hat, hält ein präzises Instrument in der Hand, mit dem sich gezielt auf Seitwärtsphasen setzen lässt.

Ihr nächster Schritt: Suchen Sie auf der SIX-Plattform für strukturierte Produkte ein Discount-Zertifikat auf einen Basiswert, den Sie ohnehin im Blick haben. Vergleichen Sie zwei Varianten – eine defensive mit hohem Rabatt, eine offensivere mit höherem Cap – und rechnen Sie durch, ab welchem Kurs Sie jeweils in die Verlustzone geraten. Diese eine Rechnung zeigt Ihnen mehr über das Produkt als jede Theorie.

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