Die ersten heissen Tage des Sommers locken an den See, in die Berge und in den Garten – und prompt füllen sich die Apotheken mit geröteten Gesichtern und brennenden Schultern. Sonnenbrand ist in der Schweiz ein saisonaler Dauerbrenner, gerade weil die UV-Strahlung in höheren Lagen unterschätzt wird. Was die wenigsten wissen: Ein Sonnenbrand ist medizinisch nichts anderes als eine Verbrennung ersten Grades. Entsprechend wichtig ist die richtige Soforthilfe – und die beginnt nicht in der Hausapotheke, sondern mit Kühlung.
Was im Körper passiert
Beim Sonnenbrand schädigt die UV-B-Strahlung die oberste Hautschicht. Die Haut reagiert mit einer Entzündung: Sie wird rot, heiss, spannt und schmerzt. Die Beschwerden zeigen sich oft erst Stunden nach dem Sonnenbad und erreichen ihren Höhepunkt nach etwa zwölf bis 24 Stunden. Genau deshalb merken viele zu spät, dass sie sich zu lange ungeschützt der Sonne ausgesetzt haben. Wichtig zu verstehen: Jeder Sonnenbrand ist eine bleibende Belastung für die Haut und erhöht langfristig das Hautkrebsrisiko – Vorbeugung bleibt deshalb immer die beste Strategie.
Schritt eins: Kühlen, aber richtig
Die wirksamste Erste-Hilfe-Massnahme ist Kühlung – und zwar möglichst rasch. Am besten eignen sich feuchte Umschläge mit Wasser zwischen etwa 8 und 25 Grad. Eiswürfel oder Kühlpacks direkt auf die Haut sind dagegen ungeeignet, weil sie die bereits geschädigte Haut zusätzlich schädigen können. Kühlen Sie in den ersten Stunden mehrfach für jeweils fünf bis zehn Minuten. Die Kälte dämpft die Entzündung und lindert den Schmerz spürbar. Trinken Sie zudem ausreichend, denn die verbrannte Haut entzieht dem Körper Flüssigkeit.
Schritt zwei: Die richtigen Produkte aus der Apotheke
Nach dem Kühlen kommt die Pflege. In der Apotheke werden Sie zu mehreren bewährten Optionen beraten. Im Zentrum steht häufig Dexpanthenol (Panthenol): Der Wirkstoff fördert die Wundheilung, spendet Feuchtigkeit und wirkt leicht entzündungshemmend. Ideal sind dabei Sprays, Lotionen oder Gele – nicht fettende Cremes. Gelformulierungen haben den Vorteil, dass sie zusätzlich kühlen, und sie lassen sich für den Extra-Effekt sogar im Kühlschrank lagern.
Spezielle After-Sun-Produkte unterscheiden sich von normalen Körpercremes durch einen geringeren Fett- und höheren Feuchtigkeitsanteil – genau das, was gereizte Haut jetzt braucht. Inhaltsstoffe wie Aloe vera, Bisabolol oder Allantoin beruhigen zusätzlich. Verzichten Sie in der Akutphase dagegen auf reichhaltige, stark fettende Salben: Sie schliessen die Wärme ein und können die Entzündung verstärken. Auch alte Hausmittel wie Quark oder Joghurt sind mit Vorsicht zu geniessen – sie kühlen kurzfristig, bergen auf verletzter Haut aber ein Infektionsrisiko. Gegen die Schmerzen und die Entzündung können entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen; ob sie für Sie sinnvoll sind, klärt das Apothekenteam im Gespräch. Bei sehr schmerzhaften, grossflächigen Verbrennungen kann kurzfristig auch eine kortisonhaltige Creme infrage kommen. Worauf Sie beim vorbeugenden Sonnenschutz achten sollten – vom richtigen LSF bis zu Wechselwirkungen mit Medikamenten – lesen Sie im Beitrag zum Sonnenschutz aus der Apotheke.
Wann die Selbstbehandlung endet
Die Apotheke ist die richtige Anlaufstelle für leichte bis mittlere Sonnenbrände. Es gibt aber klare Grenzen, an denen ärztliche Hilfe nötig wird. Suchen Sie eine Ärztin oder einen Arzt auf, wenn sich Blasen bilden, wenn grosse Körperflächen betroffen sind, oder wenn zusätzlich Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Kreislaufprobleme auftreten – das können Zeichen eines Sonnenstichs oder einer Hitzeerschöpfung sein. Besondere Vorsicht gilt bei Säuglingen und Kleinkindern: Bei ihnen gehört schon ein leichter Sonnenbrand in ärztliche Beurteilung. Auch wenn der Verdacht auf eine Sonnenallergie besteht, ist ein Arzttermin sinnvoll.
Fazit
Ein Sonnenbrand lässt sich in den meisten Fällen gut selbst behandeln: rasch und sanft kühlen, anschliessend mit feuchtigkeitsspendenden, dexpanthenolhaltigen Gelen pflegen und die Haut bis zur vollständigen Abheilung konsequent vor weiterer Sonne schützen. Das Apothekenteam berät Sie kompetent zu den passenden Produkten und erkennt, wann der Gang zum Arzt nötig ist. Am wichtigsten bleibt jedoch die Erkenntnis, dass jeder Sonnenbrand vermeidbar ist – mit dem richtigen Schutz kommt es gar nicht erst zur Verbrennung.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Unsicherheit, anhaltenden oder schweren Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Apotheke oder Ihre Ärztin beziehungsweise Ihren Arzt.