Apotheke

Antibiotika richtig einnehmen: Rat aus der Apotheke

Antibiotika gehören zu den wirksamsten Medikamenten überhaupt – und gleichzeitig zu den am häufigsten falsch eingesetzten. Wer die Packung zu früh absetzt, Dosen vergisst oder Reste «für das nächste Mal» aufhebt, schadet nicht nur der eigenen Genesung, sondern fördert ein wachsendes Problem: resistente Keime. In der Schweiz ist die Lage im internationalen Vergleich noch moderat, doch Fachleute beobachten mit Sorge, dass einzelne Bakterienarten zunehmend unempfindlich werden. Die Apotheke spielt dabei eine wichtige Rolle – als letzte Beratungsstation, bevor die erste Tablette geschluckt wird.

Warum die Therapietreue über den Erfolg entscheidet

Ein Antibiotikum wirkt nur, wenn der Wirkstoff über die gesamte verordnete Dauer in ausreichender Konzentration im Körper bleibt. Schon nach zwei, drei Tagen fühlen sich viele besser – die Symptome lassen nach, weil ein Grossteil der Bakterien abgetötet ist. Wer jetzt absetzt, gibt den widerstandsfähigsten Keimen die Chance, sich erneut zu vermehren. Diese überlebenden Bakterien sind genau jene, die später schwerer zu behandeln sind.

Halten Sie sich deshalb exakt an die ärztliche Verordnung: an die vorgegebene Dosis, die Einnahmeabstände und die Behandlungsdauer. Lassen Sie keine Einnahme aus. Falls Sie eine Dosis vergessen haben, fragen Sie in der Apotheke nach, ob Sie sie nachholen oder überspringen sollen – das hängt vom Präparat ab.

Was Sie bei der Einnahme beachten sollten

Nicht jedes Antibiotikum verträgt sich mit allem. Manche Wirkstoffe – etwa bestimmte Tetracycline – verlieren ihre Wirkung, wenn sie zusammen mit Milchprodukten, Kalzium- oder Magnesiumpräparaten eingenommen werden, weil sie im Darm unlösliche Verbindungen bilden. Andere sollten nüchtern, wieder andere zum Essen eingenommen werden. Die Apotheke erklärt Ihnen beim Bezug, was für Ihr konkretes Präparat gilt.

Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind häufig. Antibiotika können beispielsweise die Wirkung der Antibabypille beeinträchtigen oder mit Blutverdünnern interagieren. Nennen Sie dem Apothekenteam deshalb alle Mittel, die Sie regelmässig einnehmen – auch frei verkäufliche und pflanzliche. Alkohol ist bei einigen Wirkstoffen tabu, bei anderen unproblematisch; auch hier lohnt die kurze Nachfrage.

Reste richtig entsorgen statt aufheben

Eine angebrochene Antibiotikapackung gehört nicht in die Hausapotheke für den Notfall. Antibiotika auf eigene Faust einzunehmen – bei der nächsten Erkältung etwa – ist nicht nur wirkungslos, weil die meisten Erkältungen von Viren verursacht werden, sondern fördert Resistenzen. Bringen Sie übrige Medikamente zurück in die Apotheke, wo sie fachgerecht entsorgt werden. Das ist kostenlos und gehört zum Service. Wie die Triage zwischen harmlosen und behandlungsbedürftigen Infekten in der Apotheke abläuft, lesen Sie im Artikel zu netCare in der Apotheke.

Nebenwirkungen erkennen und Darmflora schützen

Antibiotika unterscheiden nicht zwischen «guten» und «schlechten» Bakterien. Deshalb sind Verdauungsbeschwerden, Durchfall oder ein flaues Gefühl im Magen häufige Begleiterscheinungen. In den meisten Fällen sind sie harmlos und klingen nach Therapieende wieder ab. Die Apotheke kann begleitend Probiotika empfehlen, die helfen, die Darmflora zu stabilisieren – idealerweise mit einigen Stunden Abstand zur Antibiotika-Einnahme.

Wachsam sollten Sie bei stärkeren Reaktionen sein: anhaltender oder blutiger Durchfall, Hautausschlag, Atemnot oder Schwellungen im Gesicht können auf eine Unverträglichkeit oder Allergie hindeuten. In solchen Fällen brechen Sie nicht einfach eigenmächtig ab, sondern kontaktieren umgehend die Arztpraxis oder Apotheke. Sie entscheiden gemeinsam, ob das Präparat gewechselt werden muss.

Was sich in der Schweiz gerade bewegt

Das Thema ist hochaktuell. Der Bundesrat hat im Juni 2025 beschlossen, die rechtlichen Grundlagen für die Einzelabgabe von Antibiotika zu schaffen. Künftig sollen Apotheken nur noch die tatsächlich benötigte Menge abgeben dürfen, statt einer ganzen Standardpackung – verbindlich für Apotheken, freiwillig für Arztpraxen. Ein entsprechender Vernehmlassungsentwurf soll bis Ende 2026 vorliegen. Ziel der nationalen Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) ist es, den Verbrauch zu senken und Reste zu vermeiden. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: weniger übrige Tabletten im Schrank und ein bewussterer Umgang mit diesen wertvollen Medikamenten.

Fazit

Antibiotika sind kein Mittel gegen jeden Infekt und keine Tablette, die man nach Gefühl dosiert. Wer die Verordnung genau befolgt, auf Wechselwirkungen achtet und Reste zurückbringt, schützt die eigene Genesung und hilft mit, die Wirksamkeit dieser Medikamente für die Zukunft zu erhalten. Die Apotheke ist dabei Ihre erste Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Einnahme. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung im Einzelfall.

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