Wer im Schweizer Smart-Home-Umfeld nach einem schaltbaren Stromzähler mit lokaler API sucht, landet schnell bei myStrom. Die in Zürich entwickelte Steckdose mit WLAN, Watt-Messung und nativer REST-Schnittstelle ist seit Jahren ein Klassiker in HA-Setups – aber selten richtig konfiguriert. Mit dem Update auf HA 2026.5 und der überarbeiteten Cloud-Integration verschiebt sich das Bild leicht. Hier ein praxisnahes Setup-Pattern, das mehrere myStrom-Devices ohne Cloud-Abhängigkeit, mit sauberer Watt-Messung und mit zwei nützlichen Automationen einbindet.
Warum myStrom statt Shelly oder TP-Link
Drei Argumente sprechen für die Schweizer Variante. Erstens der lokale HTTP-Endpunkt, der ohne Cloud-Account direkt im LAN erreichbar ist – das wenig dokumentierte /report-Endpoint liefert Leistung in Watt, kumulierte Energie in Wh und Relais-Status im JSON. Zweitens das schweizerische T13-Format mit integrierter Erdung, das ohne Adapter in jede Schweizer Steckdose passt. Drittens die Watt-Auflösung von 0,1 W – fein genug, um auch Standby-Verbräuche unter 1 Watt zu sehen und Geräte-Profile zu trennen.
Nachteile zur Klarstellung: myStrom unterstützt keine Energy-Direction-Messung (also kein PV-Einspeise-Tracking), keine Drei-Phasen-Variante und keine Hutschienen-Montage. Wer einen Boiler oder eine Wallbox messen will, ist mit Shelly Pro 3EM besser bedient. Für Wasserkocher, Kaffeemaschinen, Hifi-Anlagen oder Standby-Killer ist die Stecker-Variante hingegen ideal.
Lokale Integration ohne Cloud
Die offizielle HA-Integration mystrom arbeitet rein lokal, sofern die Geräte mit fester IP konfiguriert sind. Im Router eine DHCP-Reservation pro Device setzen, danach in HA über Einstellungen → Geräte und Dienste → Integration hinzufügen → myStrom die IP eingeben. Pro Steckdose erhält man dann drei Sensoren plus den Schalter selbst:
# configuration.yaml – falls man die Konsoldenkonfig ergänzen will
mystrom:
switch:
- host: 192.168.1.41
name: wasserkocher
- host: 192.168.1.42
name: kaffeemaschine
- host: 192.168.1.43
name: hifi
Wichtig: Die UI-basierte Variante ist seit HA 2025.6 zu bevorzugen, sie unterstützt Geräte-Auto-Discovery via Zeroconf, wenn die myStrom-App vor dem ersten HA-Einbinden lokal genutzt wurde. Die YAML-Variante bleibt aber für reproduzierbare Setups via Git nützlich.
Automation: Wasserkocher-fertig-Signal
Das praxisnahste Pattern: Sobald die Wattzahl unter eine Schwelle fällt, signalisiert ein Sound, dass das Wasser kocht. Die Logik nutzt den Leistungssensor – kein Schalter-Trigger, weil moderne Wasserkocher selbst abschalten, ohne dass der myStrom-Schalter umlegt.
automation:
- alias: Wasserkocher fertig
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.mystrom_device_leistung
below: 50
for: "00:00:05"
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.mystrom_device_leistung
above: 50
# Vorzustand: lief über Schwelle
action:
- service: script.mystrom_wa_ku
- service: tts.speak
target:
entity_id: tts.openai_tts
data:
media_player_entity_id: media_player.kueche_speaker
message: "Das Wasser ist heiss."
Die für die Vorbedingung nötige State-Mechanik lässt sich sauberer über einen Helper vom Typ Trigger Template oder ein Statistic Helper mit Last-Five-Minutes-Maximum lösen. Wer es schlank halten will, nutzt einen template-Trigger mit zwei states()-Aufrufen.
Automation: Standby-Killer mit Auto-Aus
Die zweite klassische Anwendung ist das Abschalten nach inaktivem Standby. Eine HiFi-Anlage, die nach Filmende stundenlang 8 Watt zieht, ergibt rund 70 kWh pro Jahr – etwa 18 Franken bei Schweizer Tarifen, mehr im SwissTarifSelect. Eine Stunde-aktiv-dann-aus-Logik fängt das automatisch ab:
automation:
- alias: Hifi Standby-Aus
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.mystrom_device_leistung_3
below: 15
for: "01:00:00"
action:
- service: switch.turn_off
target:
entity_id: switch.mystrom_device_3
Wer die Logik granularer braucht, kombiniert sie mit Anwesenheits-Bedingungen oder mit dem Zustand des Fernsehers. Mehr zur Watt-basierten Geräte-Erkennung beschreibt der Artikel zur Roborock-Vakuum-Watt-Anbindung als Anwesenheits-Sensor.
Energie-Dashboard ohne Trickserei
myStrom-Sensoren melden Energie in Wh, das HA-Energy-Dashboard erwartet aber kumulative kWh-Werte mit der Eigenschaft state_class: total_increasing. Die offizielle Integration setzt das korrekt – ältere community-basierte Integrationen tun das nicht. Wer also Werte im Energy-Dashboard sieht, die zurückspringen, sollte auf die Core-Integration umstellen oder einen Riemann-Sum-Helper mit Unit-Konvertierung dazwischen schalten. Drei Steckdosen, drei kWh-Zähler – im Dashboard erscheinen sie als individuelle Verbrauchsquellen mit Tages-, Wochen- und Monatsauswertung.
Fazit
myStrom ist im Schweizer Setup das Werkzeug mit dem besten Verhältnis aus Preis, Watt-Auflösung und Cloud-Unabhängigkeit – wenn man die HTTP-API als das nutzt, was sie ist: ein schlanker Mess- und Schaltknoten, kein Energy-Manager. Vier sinnvolle Devices pro Haushalt reichen meist: Wasserkocher, Kaffeemaschine, HiFi, Drucker. Damit hat man die vier grössten Standby-Sünder im Griff und gleichzeitig die Trigger-Basis für zwei bis drei nützliche Automationen.