Apotheke

Fusspilz und Nagelmykose in der Apotheke

Mit dem Sommer und der Badi-Saison kommt die typische Beratung an der Apotheken-Theke: juckende Zehen, schuppige Fusssohlen, gelb-verdickte Nägel. Tinea pedis (Fusspilz) und Onychomykose (Nagelpilz) gehören zu den häufigsten Hautinfektionen der Schweiz – schätzungsweise 20–30% der Erwachsenen sind betroffen, ohne dass viele davon wissen. Beide werden in der Apotheke kompetent abgegeben und beraten, aber die Wahl des richtigen Wirkstoffs und der korrekten Anwendungsdauer entscheidet über Erfolg oder hartnäckigen Rückfall.

Diagnose: Erst der richtige Erreger, dann die richtige Therapie

Tinea pedis tritt klassisch in drei Formen auf: interdigital (Zehenzwischenräume, weiss-mazeriert, riechend), squamös-hyperkeratotisch (trockene, schuppige Fersen und Sohlen, oft beidseits, «Mokassin-Form») und vesikulös-dyshidrotisch (Bläschen am Fussgewölbe, stark juckend). Verursacher sind in über 90% Trichophyton rubrum und T. mentagrophytes – Dermatophyten, die bei Wärme und Feuchtigkeit florieren.

Ein häufiger Beratungsfehler: Was wie Fusspilz aussieht, ist manchmal ein Ekzem, eine Psoriasis plantaris oder eine bakterielle Superinfektion (Erythrasma durch Corynebakterien, fluoresziert rot unter Wood-Licht). Sieben Beratungsfragen helfen abzugrenzen: seit wann, ein- oder beidseitig, jucken oder brennen, Bläschen oder Schuppen, gleichzeitig an der Hand (Two-Feet-One-Hand-Phänomen typisch für Tinea), Familie betroffen, Vorerkrankungen (Diabetes, Immunsuppression).

Topische Therapie: Welcher Wirkstoff für welche Form

In der Schweizer Apotheke stehen rezeptfrei mehrere Antimykotika zur Verfügung:

Terbinafin (Lamisil Once, Lamisil Creme) ist der Goldstandard bei interdigitaler und vesikulöser Tinea. Lamisil Once ist eine Einmal-Anwendung als filmbildende Lösung – pragmatisch für die Reise- und Badi-Apotheke, klinische Heilung nach 1–2 Wochen. Die Creme wird 1–2× täglich über 1–2 Wochen angewendet und ist günstiger.

Bifonazol (Canesten Extra, Mycospor) wirkt fungizid und zusätzlich entzündungshemmend – gut bei juckenden, geröteten Formen. Anwendung 1× täglich über 2–4 Wochen. Die Kombination Bifonazol + Harnstoff 40% (Canespor Onychoset) löst zusätzlich die infizierte Nagelmasse ab und ist die Vorstufe zur Nagel-Therapie.

Clotrimazol (diverse Generika) ist der Klassiker, aber bei Dermatophyten weniger wirksam als Terbinafin – heute zweite Wahl bei Tinea pedis, dafür Mittel der Wahl bei Hefepilz-Beteiligung (Candida).

Ciclopirox (Batrafen) als Creme oder Lösung wirkt zusätzlich antibakteriell – sinnvoll bei mazerierten, gemischt-infizierten Zwischenräumen.

Wichtig in jedem Beratungsgespräch: Therapie zwei Wochen über die Symptomfreiheit hinaus fortsetzen, sonst Rezidiv praktisch garantiert. Strümpfe bei mindestens 60°C waschen, Schuhe mit antimykotischem Spray (Daktarin, Pevaryl) behandeln, abwechselnd zwei Paar Schuhe tragen.

Nagelmykose: Geduldsspiel mit Lacken und Bifonazol-Harnstoff

Die Onychomykose ist deutlich hartnäckiger. Topisch verfügbar:

Ciclopirox-Lack 8% (Ciclopoli) wird täglich aufgetragen, die kosmetisch akzeptable Methode ohne wöchentliches Abfeilen. Heilungsraten nach 6–12 Monaten liegen bei rund 35–55%.

Amorolfin-Lack 5% (Loceryl) wird 1–2× wöchentlich aufgetragen, Nagel vorher feilen. Ähnliche Heilungsrate, weniger Aufwand.

Bifonazol + Harnstoff 40% (Canespor Onychoset) über 2–3 Wochen löst die infizierte Nagelpartie schmerzfrei ab – danach Weiterbehandlung mit Bifonazol-Creme über 1–2 Monate. Pragmatische Lösung bei einzelnen, distal befallenen Nägeln.

Bei Befall >50% der Nagelfläche, mehreren Nägeln oder Befall der Nagelmatrix ist topisch wenig erfolgreich. Hier wird über netCare oder Hausärztin systemisches Terbinafin oral (250 mg/Tag über 6 Wochen Fingernägel, 12 Wochen Fussnägel) eingesetzt, mit Heilungsraten von 70–80% – aber Leberwerte und Wechselwirkungen (Betablocker, SSRI über CYP2D6) müssen ärztlich überwacht werden.

Prävention: das, was tatsächlich wirkt

Die meisten Rezidive entstehen über kontaminierte Schuhe und Strümpfe. Konkrete Massnahmen: Füsse nach dem Duschen gut zwischen den Zehen abtrocknen, atmungsaktive Baumwoll- oder Merinosocken, in Schwimmbädern immer Badeschlappen tragen, eigene Pediküre-Werkzeuge (oder im Studio mit Sterilisation), Schuhe regelmässig auslüften und nicht zwei Tage in Folge tragen. Bei Sportler und Diabetikern: tägliche Inspektion der Fusssohlen und Zwischenräume.

Wer die Apotheken-Beratung systematisch durchgehen will, findet im Artikel zur modernen Wundversorgung in der Schweizer Apotheke verwandte Themen zur Hautpflege bei Diabetikern und Risikogruppen.

Fazit

Tinea pedis ist mit zwei Wochen Terbinafin meist erledigt, wenn die Therapie konsequent zu Ende geführt wird. Onychomykose verlangt monatelange Geduld oder den Schritt zur systemischen Therapie. Drei Beratungspunkte machen den Unterschied: realistische Therapiedauer kommunizieren, Schuhe und Strümpfe in die Behandlung einbeziehen, Alarmzeichen (Rötung, Schwellung, Fieber, Diabetes mit Druckläsionen) für die ärztliche Triage benennen. Bei klassischer Symptomatik in Kombination mit guter Compliance ist die Apothekenabgabe der schnelle, kompetente Weg zur Heilung.

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