Wer aus Schweizer Sicht über ein zweites Einkommen aus Zinsen nachdenkt, landet schnell bei Investment-Grade-Anleihen, Pfandbriefen oder Eidgenossen. Der Coupon ist solide, das Risiko überschaubar – die Rendite aber meist im tiefen Bereich. Ein Hebel bleibt oft unbeachtet: High-Yield-Bond-ETFs. Sie bündeln spekulative Unternehmensanleihen unterhalb von BBB und liefern aktuell laufende Renditen, die deutlich über jenen klassischer Bondfonds liegen. Wer die Risiken versteht, kann den Cashflow gezielt einsetzen.
Was High-Yield-Bonds eigentlich sind
«High Yield» ist die freundliche Übersetzung für «Junk Bonds» – Anleihen von Unternehmen, die von Moody’s mit Ba1 oder schlechter und von S&P mit BB+ oder darunter bewertet werden. Sie zahlen einen höheren Kupon, weil die Ausfallwahrscheinlichkeit grösser ist als bei klassischen Investment-Grade-Schuldnern wie Nestlé oder Novartis. Statt 2 bis 3 Prozent zahlt ein durchschnittlicher europäischer High-Yield-Bond 2026 eher 5 bis 7 Prozent, US-Pendants gar bis zu 8 Prozent Yield-to-Worst.
Single-Bond-Käufe sind für Privatanleger heikel: Stückelungen ab 100’000 Euro sind die Regel, und die Diversifikation eines einzelnen Schuldners reicht nicht aus. Genau hier setzen ETFs an. Sie halten mehrere hundert Anleihen, decken Sektoren und Regionen breit ab und sind über die SIX, Xetra oder LSE handelbar.
Welche ETFs für Schweizer Anleger sinnvoll sind
Die Auswahl ist überschaubar, aber gut sortiert. Drei Klassiker dominieren das Angebot. Der iShares Euro High Yield Corporate Bond UCITS ETF (IE00B66F4759) liefert breit gestreute Euro-Hochzinsanleihen mit aktueller Yield-to-Worst um 5,5 Prozent. Wer ohne Währungsrisiko bleiben will, greift zur CHF-gehedgten Variante (IE00BD8D5G25). Der iShares USD High Yield Corp Bond UCITS ETF (CHF Hedged) (IE00BCRY6557) deckt den US-Markt ab und bietet derzeit über 6 Prozent Ausschüttungsrendite. Drittens gibt es Vanguard USD Corporate 1-3 Year High Yield (IE000QH7QPM2) für jene, die das Zinsänderungsrisiko durch kurze Duration reduzieren möchten.
Ein zentraler Punkt: Die meisten dieser ETFs zahlen monatlich oder quartalsweise aus. Das ist für ein passives Einkommen attraktiver als ein einmaliger Jahres-Coupon, weil die Liquidität gleichmässig fliesst und Wiederanlagen flexibel bleiben.
Risiken, die niemand übersehen sollte
High Yield ist eng mit Aktienrisiko korreliert. In Marktstress-Phasen wie März 2020 oder Herbst 2008 fielen die Kurse um 15 bis 25 Prozent – Bonds sind hier nicht der ruhige Hafen, den manche erwarten. Der Coupon allein fängt einen solchen Drawdown nicht auf. Wer also Cashflow sucht und gleichzeitig die Substanz schützen will, sollte High Yield nicht als Anleihen-Ersatz, sondern als eigene Anlageklasse zwischen Bonds und Aktien einordnen.
Hinzu kommt das Ausfallrisiko: Die langjährige durchschnittliche Ausfallrate liegt bei rund 4 Prozent jährlich, in Rezessionen schnellt sie auf 8 bis 10 Prozent. Im ETF-Mantel ist das verkraftbar, weil hunderte Emittenten enthalten sind – aber der Spread zu sicheren Staatsanleihen kann sich in Krisen rasch ausweiten und kurzfristig Buchverluste produzieren.
Steuerlich gilt: Ausschüttungen sind als Zinsertrag voll einkommensteuerpflichtig. Bei thesaurierenden Versionen wird trotzdem die volle Yield zum Einkommen gerechnet (ESTV-Kursliste). Der Domizilvorteil von in Irland aufgelegten ETFs liegt im DBA-Schutz gegenüber Quellensteuern auf US-Wertpapiere.
Ein interner Klassiker zur Einordnung dieser Anlageklasse ist mein Beitrag zu Anleihen-ETFs für Schweizer Anleger – dort geht es um den Investment-Grade-Teil des Portfolios, der bei High Yield als Sicherheitsanker dient.
So baue ich High Yield in mein Cashflow-Depot ein
Mein Ansatz: maximal 10 bis 15 Prozent des Bond-Anteils im Depot als High Yield. Ein realistisches Beispiel für ein Anlagevermögen von CHF 100’000 wäre ein Bond-Anteil von 30’000, davon 3’000 bis 4’500 in einem CHF-gehedgten High-Yield-ETF. Bei 6 Prozent Yield ergibt das rund 180 bis 270 Franken pro Jahr – steuerpflichtig, aber regelmässig.
Wichtig ist die Rebalancing-Disziplin: Wer High Yield kauft und nach Drawdowns nicht zukauft, verzichtet auf die wertvollste Eigenschaft dieser Klasse – den Wiederaufschwung mit fetten Spreads. Wer hingegen blind auf Yield jagt und 30 Prozent des Depots in Junk-Bonds packt, läuft Gefahr, in der nächsten Rezession den dreifachen Schaden zu nehmen.
Fazit: Cashflow-Booster mit klaren Grenzen
High-Yield-Bond-ETFs sind kein Ersatz für sichere Bonds, aber ein wirkungsvoller Zusatz im Cashflow-orientierten Depot. Wer die Korrelation zu Aktien akzeptiert, die Allokation diszipliniert begrenzt und Steuern realistisch einrechnet, holt sich eine spürbare Mehrrendite ins Portfolio. Mein Vorschlag: Eröffne ein Watchlist-Element für einen CHF-gehedgten High-Yield-ETF und beobachte einen Quartals-Zyklus, bevor du investierst – so lernst du das Spread-Verhalten kennen, ohne gleich mit echtem Geld zu hadern.