Apotheke

Migräne 2026: Triptane und CGRP aus der Apotheke

Wer einmal eine echte Migräne-Attacke erlebt hat, weiss: Es ist mehr als «starke Kopfschmerzen». Es ist ein neurologisches Ereignis, das mit Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, manchmal mit Sehstörungen oder Wortfindungsproblemen einhergeht und Betroffene für Stunden bis Tage aus dem Alltag reisst. In der Schweiz leben rund eine Million Menschen mit Migräne – und die Apotheke ist 2026 oft der erste Anlaufpunkt: zur Akutmedikation, zur Beratung, zur Triage. In den letzten drei Jahren hat sich die Therapielandschaft dabei deutlich erweitert.

Triptane: das bewährte Akut-Werkzeug

Triptane sind die Standardgruppe für mässige bis schwere Migräneattacken. Sie wirken am Serotonin-Rezeptor, verengen erweiterte Hirngefässe und unterbrechen die schmerzauslösende Entzündungskaskade. In der Schweiz sind sieben Wirkstoffe zugelassen, am häufigsten verschrieben werden Sumatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan.

Rezeptfrei in der Apotheke sind in der Schweiz seit Jahren Sumatriptan 50 mg in der Selbstmedikation (Abgabekategorie C) – allerdings nur nach einer fachlichen Beratung durch die Apothekerin und mit klarer Vorgeschichte einer ärztlich diagnostizierten Migräne. Wer das erste Mal mit migräneartigen Beschwerden in die Apotheke kommt, wird zur Abklärung an die Hausärztin oder einen Neurologen verwiesen – auch um andere Ursachen (Cluster-Kopfschmerz, sekundäre Kopfschmerzen) auszuschliessen.

Triptane wirken am besten, wenn sie früh in der Attacke eingenommen werden – noch in der Aura-Phase oder beim ersten Pochen, nicht erst wenn der Schmerz seinen Höhepunkt erreicht hat. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unkontrollierter Hypertonie oder Schwangerschaft sollten sie nicht einnehmen.

CGRP-Antagonisten: die neue Klasse

Seit 2019 sind in der Schweiz monoklonale Antikörper gegen das «Calcitonin Gene-Related Peptide» (CGRP) zugelassen – Erenumab (Aimovig), Fremanezumab (Ajovy), Galcanezumab (Emgality) und neuer Eptinezumab (Vyepti). Sie sind reine Prophylaxe-Medikamente, werden alle vier bis zwölf Wochen gespritzt (oder bei Vyepti infundiert) und reduzieren die Migräne-Tage typischerweise um die Hälfte bei einem Drittel der Patientinnen.

2024 und 2025 kamen die Gepante dazu – kleine Moleküle wie Atogepant (Aquipta) und Rimegepant (Vydura), die oral eingenommen werden. Rimegepant kann sowohl in der Akutsituation als auch zur Prophylaxe verwendet werden – ein Vorteil für Menschen, die nicht spritzen möchten. Sie sind in der Schweiz rezeptpflichtig und kassenpflichtig nach Spezialitätenliste, aktuell oft mit Limitatio: erst nach Versagen von zwei klassischen Prophylaxen (etwa Betablocker, Topiramat, Amitriptylin).

Die Apotheke übernimmt hier eine zentrale Rolle: Beratung zur richtigen Anwendung des Pens, Aufbewahrung im Kühlschrank, Wechsel der Injektionsstelle und das Erkennen von Wirkverlust. Wer nach drei bis sechs Monaten keine deutliche Reduktion der Migräne-Tage merkt, sollte gemeinsam mit der Ärztin den Therapieplan überdenken.

Was Apotheken zusätzlich leisten

Über die Medikamentenabgabe hinaus hat die Apotheke in den letzten Jahren ein paar pragmatische Werkzeuge dazugewonnen:

Kopfschmerz-Tagebuch: Viele Apotheken bieten gedruckte oder digitale Vorlagen an. Wer 30 Tage konsequent erfasst – Datum, Schmerz, Dauer, Trigger, Medikament – kommt mit deutlich besseren Daten zur Hausarzt-Konsultation und kann den Verdacht auf einen Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz früh entkräften oder bestätigen.

Medikamenten-Übergebrauch erkennen: Die magische Grenze liegt bei 10 Schmerztagen pro Monat mit Triptan-, Mischanalgetika- oder Opioid-Einnahme, beziehungsweise 15 Tagen bei reinen NSAR (Ibuprofen, Naproxen). Wer regelmässig in der Apotheke nachfragt, kann hier sensibilisiert werden – ein wichtiges Frühwarnzeichen.

Triage und Beratung: Manche Migräne-Episoden sehen ähnlich aus wie andere Kopfschmerzformen. Bei plötzlich neuen Kopfschmerzen, neurologischen Ausfällen, Kopfschmerzen mit Fieber oder Kopfschmerzen, die «anders sind als sonst», ist immer eine ärztliche Abklärung nötig. Die Apotheke kann hier vermitteln – Details zur netCare-Triage finden sich im Artikel netCare in der Apotheke: Triage statt Hausarzt.

Was selber wirkt – und was nicht

Bei leichten Attacken bleiben NSAR wie Ibuprofen 400 mg oder Naproxen 500 mg eine gute, evidenzgesicherte erste Option. Die Kombination aus 1000 mg Paracetamol, 250 mg Aspirin und 65 mg Koffein («Excedrin-Komposition») hat in Studien gut abgeschnitten, ist aber wegen des Koffein-Anteils nicht bei jeder Patientin geeignet.

Wenig bis keine Evidenz haben dagegen Homöopathika, viele «Anti-Migräne»-Tropfen und hochdosiertes Magnesium über die Akutphase hinaus. Magnesium als Prophylaxe bei 600 mg täglich hat eine schwache, aber reale Evidenz – als Akut-Hilfe taugt es nicht.

Fazit

Die Therapie der Migräne ist 2026 differenzierter denn je: bewährte Triptane für die Akutsituation, neue CGRP-Antikörper und Gepante für die schwer behandelbaren Verlaufsformen, klare Empfehlungen zur Trigger-Vermeidung und zum Tagebuch. Die Apotheke ist dabei mehr als Abgabestelle – sie ist Beraterin, Frühwarnsystem und Brücke zum spezialisierten ärztlichen Team. Wer Migräne hat und bisher nur mit «irgendeinem Schmerzmittel» durchkommt, sollte einmal ein 30-Tage-Tagebuch führen und damit das Apotheker- oder Arztgespräch suchen. Es lohnt sich.

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