Eine Bohrmaschine wird in ihrem ganzen Leben im Schnitt sechs bis dreizehn Minuten benutzt – den Rest der Zeit steht sie im Keller. Ähnlich sieht es bei Beamer, Raclette-Ofen, Anhängerkupplung, Hochdruckreiniger oder Zelt aus. Auf der Schweizer Plattform Sharely lassen sich diese Gegenstände stundenweise an Nachbarn aus dem eigenen Quartier vermieten. Wer das systematisch angeht, baut sich aus dem eigenen Keller einen kleinen, planbaren Cashflow auf – ohne grosses Anfangsinvestment und ohne neue Anschaffungen.
Wie Sharely funktioniert
Sharely ist ein Schweizer Anbieter aus dem Impact-Hub-Umfeld und vermittelt seit über zehn Jahren Mietverträge zwischen Privatpersonen. Die Plattform übernimmt Versicherung, Zahlungsabwicklung und ein einfaches Bewertungssystem. Anbieter laden Fotos, Beschreibung und einen Tagespreis hoch, Mieter buchen über die App, holen den Gegenstand zur vereinbarten Zeit ab und bringen ihn wieder vorbei. Sharely behält pro Buchung eine Servicegebühr, die je nach Mietdauer rund 15 bis 25 Prozent ausmacht.
Wichtig: Sharely versichert Schäden bis zu einem definierten Höchstbetrag, inklusive Diebstahl. Das senkt die Hemmschwelle deutlich, weil man sein Werkzeug nicht auf Vertrauensbasis aus der Hand geben muss. Genau das ist der Unterschied zu reinen Nachbarschafts-Initiativen wie Pumpipumpe, wo der Tausch unbezahlt und ohne Versicherung läuft.
Welche Gegenstände wirklich nachgefragt werden
Erfolgreiche Vermieter berichten konstant von ähnlichen Mustern. Werkzeug ist der grösste Markt: Schlagbohrer, Akkuschrauber, Stichsäge, Bandschleifer, Excenterschleifer, Tapeziertisch. Wer hochwertige Marken wie Bosch Blau, Festool oder Makita anbietet, hat einen klaren Vorteil – Mieter suchen gezielt nach Qualität, weil sie genau einmal renovieren und nicht für ein Wochenende eine billige Maschine kaufen wollen.
Beliebt sind zudem Anhänger und Anhängerkupplungen, Hochdruckreiniger (Frühling und Herbst), Polstermöbelreiniger, Beamer für Filmabende, Raclette- und Fondue-Sets in der Wintersaison, Kindersitze für Besuche von Familienangehörigen und Camping-Equipment wie Zelte, Schlafsäcke oder Gaskocher. Sportgeräte wie SUP-Boards, E-Bikes oder Skiausrüstung haben starke saisonale Spitzen, aber dann sehr hohe Auslastung.
Realistisches Einkommen und Kalkulation
Wer realistisch rechnet, kommt mit fünf bis zehn gut gepflegten Inseraten auf 50 bis 250 Franken Nettoeinnahmen pro Monat. Das klingt wenig, ist aber nahezu reines Zubrot: Die Anschaffung ist längst getätigt, der Aufwand pro Vermietung sind 15 bis 30 Minuten für Übergabe, Reinigung und Bewertung. Eine Bohrmaschine, die im Jahr zwölfmal für 15 Franken pro Tag vermietet wird, bringt 180 Franken – sie ist dann effektiv kostenlos im eigenen Besitz.
Steuerlich gilt: Sporadische Vermietung gehört in die Steuererklärung als «übrige Einkünfte». Bei Beträgen unter rund 2’300 Franken pro Jahr fallen in der Regel keine AHV-Beiträge an, weil dies unter der Geringfügigkeitsgrenze liegt. Wer professionell vermietet (mehrere Tausend Franken jährlich, geplante Anschaffungen zur Vermietung), rutscht in die selbständige Erwerbstätigkeit – dann werden AHV-Beiträge fällig und der Mehrwertsteuer-Schwellenwert von 100’000 Franken Umsatz wird relevant.
Sharely strategisch nutzen
Drei Erfolgsfaktoren entscheiden über den Cashflow. Erstens: Gute Fotos bei Tageslicht und mit Massstab im Bild. Zweitens: Realistische Preise – ein Vergleich mit der Bauhaus- oder Coop-Brico-Vermietung ist meist 30 bis 50 Prozent günstiger und gleichzeitig fair für den Vermieter. Drittens: Schnelle Antwortzeiten unter zwei Stunden, denn Sharely bewertet das in seinem Ranking. Ein Inserat auf der ersten Suchseite generiert ein Vielfaches der Anfragen.
Ergänzend lohnt es sich, an grossen Stellen passive Sichtbarkeit zu schaffen: ein QR-Code an der Garage oder am Treppenhausbrett des Mehrfamilienhauses macht klar, dass im Haus Werkzeug verfügbar ist. Viele Mietende sind erstaunt, dass Nachbarn so etwas anbieten.
Ein weiterer Hebel ist die Saisonalisierung: Wer im November die Skiausrüstung einstellt, im März den Hochdruckreiniger, im Mai das Camping-Set und im November den Raclette-Ofen prominent platziert, profitiert genau dann von Suchspitzen, wenn die Nachfrage in der Plattform peakt. Diese Synchronisierung mit dem Schweizer Jahreskalender macht oft den Unterschied zwischen 50 und 250 Franken Monatseinkommen aus.
Mehr zu sharing-basierten Cashflow-Modellen in der Nachbarschaft gibt es im Artikel Keller vermieten: Self-Storage als Cashflow.
Fazit
Sharely macht aus ungenutztem Privatbesitz einen kleinen, aber stabilen Einkommensstrom – und entlastet gleichzeitig den eigenen Keller. Wer fünf hochwertige Werkzeuge plus zwei bis drei saisonale Highlights wie Hochdruckreiniger und Raclette-Ofen einstellt, baut sich innerhalb von drei Monaten ein passives Nebeneinkommen auf, das mit der Zeit nur durch bessere Bewertungen wächst. Erster Schritt: Heute Abend zehn Minuten investieren, drei Gegenstände fotografieren und ein erstes Inserat anlegen.