Apotheke

Sonnenschutz aus der Apotheke: LSF richtig wählen

Mai 2026, das Wetter wechselt vom Regenmonat ins Sommerwetter, und in Schweizer Apotheken stapeln sich wieder die Tuben. Sonnenschutz ist neben Antihistaminika das Saisongeschäft schlechthin – und gleichzeitig das Beratungsthema mit den meisten Halbwahrheiten. Wer im Drogeriemarkt eine 30-LSF-Lotion für zehn Franken kauft, ist nicht automatisch falsch beraten; aber wer Kinderhaut, Aktinische Keratose, Antibabypille oder eine frische Tätowierung im Spiel hat, profitiert von einem fundierten Apotheker-Gespräch.

Die Schweiz hat im europäischen Vergleich eine der höchsten Hautkrebs-Inzidenzen weltweit. Pro Jahr werden etwa 3’500 Menschen mit einem Melanom diagnostiziert, dazu kommen über 20’000 nicht-melanozytäre Tumore – also Basaliome und Plattenepithelkarzinome. Die Hauptursache: UV-Strahlung, akkumuliert über die ganze Lebensspanne. Sonnenschutz ist medizinisch gesehen kein Lifestyle-Thema, sondern Krebsprävention.

LSF, SPF, UVA – was steht eigentlich drauf?

Der Lichtschutzfaktor (LSF, im internationalen Markt SPF) bezieht sich ausschliesslich auf UVB-Strahlung – jene Strahlen, die für den klassischen Sonnenbrand verantwortlich sind. LSF 30 lässt theoretisch 1/30 der UVB-Strahlung durch, LSF 50 entsprechend 1/50, LSF 100 nur 1/100. Klingt nach grossen Unterschieden, ist es aber bei den Filterwirkungen kaum: LSF 30 filtert 96,7 %, LSF 50 filtert 98 %, LSF 100 filtert 99 %. Die Unterschiede liegen im Bereich der Auftragsmenge und der Anwendungsdisziplin – beides oft wichtiger als die Zahl auf der Tube.

UVA-Strahlung wird gesondert ausgewiesen, klassisch mit dem UVA-Siegel im Kreis (mindestens ein Drittel des LSF). UVA dringt tiefer in die Haut ein, ist mitverantwortlich für vorzeitige Hautalterung und für die Entstehung von Melanomen. In Schweizer Apotheken sind UVA-PF-Werte meistens transparent kommuniziert, im Drogeriebereich nicht immer – das ist ein Beratungsargument.

Welcher LSF für wen?

Die Empfehlung der Krebsliga Schweiz und der schweizerischen Dermatologen-Gesellschaft ist seit 2024 deutlicher geworden: mindestens LSF 30 für Erwachsene mit normaler Haut, LSF 50 für Kinder, sonnenempfindliche Hauttypen (Hauttyp I und II), Personen mit Vorbelastung wie früheren Melanomen oder unter immunsuppressiver Therapie, sowie bei Aufenthalten in Höhenlage, im Wasser oder im Schnee. LSF 100-Produkte werden inzwischen nicht mehr generell empfohlen, weil sie eine Sicherheit suggerieren, die in der Praxis nicht eingehalten wird – die Nachschmier-Disziplin sinkt mit jedem höheren Faktor.

Für Kinder unter einem Jahr gilt: gar keine direkte Sonnenexposition. Sonnencreme ist hier nur die zweite Verteidigungslinie nach Kleidung, Hut und Schatten. Apotheken halten dafür Produkte mit ausschliesslich mineralischen Filtern bereit (Titandioxid, Zinkoxid) – diese reflektieren das UV-Licht und werden nicht in die Haut aufgenommen, sind also bei empfindlicher Säuglings- und Babyhaut die erste Wahl.

Chemische vs. mineralische Filter

Chemische Filter wandeln UV-Strahlung in Wärme um und werden zu einem gewissen Teil von der Haut aufgenommen. Diskussionen über Filter wie Octocrylen oder Oxybenzon, ihre hormonelle Wirkung und ihre Umweltbelastung haben in den letzten Jahren zu einer Welle reformulierter Produkte geführt. In der Schweiz sind alle aktuellen Filter zugelassen und sicher; wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will – etwa Schwangere, Stillende, Allergiker – greift zu mineralischen Filtern. Die früher unschmeichelhafte Weisselei moderner Mineralcremes ist mit nano-strukturierten Pigmenten deutlich besser geworden, auch wenn der Hauch eines weisslichen Films oft bleibt.

Hawaii und Palau haben Riff-schädigende Filter inzwischen verboten. Wer in tropischen Reisezielen Urlaub macht, sollte explizit „reef safe“-Produkte einpacken – sie sind in Schweizer Apotheken inzwischen Standardsortiment.

Medikamente und Photosensibilität

Der wahrscheinlich am häufigsten übersehene Aspekt in der Apothekenberatung ist die Wechselwirkung mit Medikamenten. Einige Antibiotika (Doxycyclin, Ciprofloxacin), Diuretika (Hydrochlorothiazid), nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Ibuprofen, Johanniskraut, manche Akne-Therapien (Isotretinoin) und Phytotherapeutika erhöhen die Lichtempfindlichkeit teils dramatisch. Eine Halbestunde Mittagssonne kann dann zu einem Sonnenbrand zweiten Grades führen, obwohl LSF 30 aufgetragen wurde. Wer regelmässig Medikamente einnimmt, sollte das Sommerthema mit der Apotheke explizit besprechen – ein Blick in den Beipackzettel auf das Stichwort „Lichtempfindlichkeit“ ist ein guter Reflex.

Auch nach einer Tätowierung (mindestens vier bis sechs Wochen), nach Laserbehandlungen oder kosmetischer Behandlung mit Fruchtsäuren ist die Hautbarriere geschwächt – hier wird in der Apotheke nicht selten zu LSF 50 mit mineralischem Filter geraten.

Konkret beim Auftragen: was wirklich zählt

Die wichtigste Erkenntnis aus der Beratungspraxis: Die Auftragsmenge ist fast immer zu klein. Empfohlen sind 2 mg pro cm² Haut – das entspricht bei einem Erwachsenen ungefähr 35 ml für den ganzen Körper, also einem grosszügigen Esslöffel. Die meisten Menschen tragen nur ein Viertel davon auf. Nachschmieren nach zwei Stunden, nach Schwimmen, nach starkem Schwitzen ist Pflicht – nicht Empfehlung. Und ein LSF auf dem Make-up addiert sich nicht: Wer eine Tagescreme mit LSF 15 und eine Foundation mit LSF 20 aufträgt, hat keinen LSF 35, sondern höchstens LSF 20.

Fazit

Sonnenschutz ist eines der wenigen rezeptfreien Produkte, bei denen sich der Apothekenkauf wirklich auszahlt – nicht wegen besserer Filter, sondern wegen kompetenter Beratung zu Medikamenten, Hautzustand und realistischer Anwendung. Wer die Sommermonate mit einem Plan angeht, der Schatten, Kleidung und Sonnenschutz kombiniert, reduziert das Hautkrebsrisiko langfristig sichtbar. Eine kurze Beratung beim Saisonstart kostet zehn Minuten – und kann sich Jahrzehnte später auszahlen.

Wer als Familie unterwegs ist, findet ergänzende Hinweise zur Hausapotheke und Reise-Apotheke 2026 in unseren früheren Pharmazie-Artikeln auf coremind.ch. Sonnenschutz, Insektenschutz und Wundversorgung gehören in jede sommerliche Grundausstattung.

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