Ein kleiner Würfel auf dem Couchtisch, der mit einer Drehung das Licht dimmt, mit einem Klopfen die Musik startet und beim Werfen einen Timer setzt – der Aqara Magic Cube ist eines der unterschätztesten Eingabegeräte im Zigbee-Universum. In meinem eigenen Setup läuft die zugehörige Automation seit Monaten zuverlässig, und ich finde, das Konzept verdient eine eigene Betrachtung. Sechs Seiten, sechs Grundgesten – das ergibt buchstäblich 36 mögliche Aktionen, ohne dass jemand eine App öffnen oder „Hey Siri“ sagen muss.
Warum gerade jetzt
In Home Assistant haben sich in den letzten Releases zwei Dinge bewegt, die den Cube interessanter machen. Erstens sind die Zigbee-Integrationen (sowohl ZHA als auch Zigbee2MQTT) stabiler geworden – die Events kommen verlässlich an, Routing-Probleme mit Mesh-Knoten sind weitgehend Geschichte. Zweitens hat Home Assistant 2026.x die event-Plattform deutlich aufgewertet: Statt mit den alten zha_event-Triggern zu jonglieren, lassen sich Würfel-Aktionen jetzt direkt als Events abonnieren und in modernen Triggern wie action: sauber abbilden.
Die sechs Gesten im Überblick
Der Cube unterscheidet zwischen sechs Grundereignissen:
| Geste | Beschreibung | Typisches Event |
|——-|————–|——————|
| Flip 90° | Drehung um 90 Grad auf eine angrenzende Seite | flip_90 |
| Flip 180° | Drehung auf die gegenüberliegende Seite | flip_180 |
| Slide | Über eine Oberfläche schieben | slide |
| Knock | Klopfen auf den Tisch | knock |
| Rotate | Drehen in der Hand (CW/CCW) | rotate |
| Shake | Schütteln | shake |
Bei Drehung wird zusätzlich die Seite mitgeliefert – also face 0 bis 5. Damit lassen sich die Aktionen unterschiedlich auslösen, je nachdem, welche Seite gerade oben liegt.
Schritt 1: Pairing und Quirk
Bei der Einbindung über Zigbee2MQTT (Modell MFKZQ01LM) wird der Cube automatisch erkannt. Bei ZHA ist seit Version 2024.x ein Quirk integriert, der die Würfelseiten als face und die Gesten als command an das Event weitergibt. Ein Druck auf den Reset-Knopf (5 Sekunden) versetzt den Cube in den Pairing-Modus. Wenn der Cube nicht erscheint, hilft oft, einen Zigbee-Repeater (z. B. eine Steckdose) in der Nähe zu positionieren – Batterie-betriebene Endgeräte hängen sich nur an verlässliche Router an.
Schritt 2: Die Basis-Automation
Ich empfehle, alle sechs Gesten in einer einzigen Automation zusammenzufassen und mit einem choose:-Block zu verzweigen. Das hält die UI sauber und macht spätere Änderungen einfacher als sechs getrennte Automationen.
alias: Aqara Magic Cube – Hauptsteuerung
description: Wohnzimmer-Cube
triggers:
- trigger: event
event_type: zha_event
event_data:
device_id: !secret cube_wohnzimmer_id
conditions: []
actions:
- choose:
- conditions:
- condition: template
value_template: "{{ trigger.event.data.command == 'knock' }}"
sequence:
- action: scene.turn_on
target:
entity_id: scene.wohnzimmer_gemutlich
- conditions:
- condition: template
value_template: "{{ trigger.event.data.command == 'shake' }}"
sequence:
- action: light.turn_off
target:
area_id: wohnzimmer
- conditions:
- condition: template
value_template: "{{ trigger.event.data.command == 'flip' and trigger.event.data.args.flip_degrees == 180 }}"
sequence:
- action: media_player.media_play_pause
target:
entity_id: media_player.sonos_wohnzimmer
mode: single
Bei Zigbee2MQTT-Nutzern sieht der Trigger leicht anders aus – statt zha_event heisst das Event mqtt mit Topic zigbee2mqtt/cube_wohnzimmer/action, und der Geste-Wert steht direkt im Payload.
Schritt 3: Seitenabhängige Aktionen
Spannender wird der Cube, sobald die Würfelseite mit einbezogen wird. Die Idee: Jede Seite repräsentiert einen Raum oder eine Funktion. Wer den Cube also dreht, sodass „Küche“ oben liegt, und dann klopft, schaltet die Küchenlampe ein. Klopft man bei „Schlafzimmer“ oben, geht dort das Licht an.
alias: Aqara Magic Cube – Klopfen je nach Seite
triggers:
- trigger: event
event_type: zha_event
event_data:
command: knock
actions:
- variables:
face: "{{ trigger.event.data.args.activated_face | int }}"
- choose:
- conditions: "{{ face == 0 }}"
sequence:
- action: light.toggle
target: { entity_id: light.kuche_decke }
- conditions: "{{ face == 1 }}"
sequence:
- action: light.toggle
target: { entity_id: light.wohnzimmer_decke }
- conditions: "{{ face == 2 }}"
sequence:
- action: light.toggle
target: { entity_id: light.schlafzimmer_decke }
mode: single
Damit hat man auf einem 5×5 cm Würfel sechs Lichtschalter, ohne ein einziges Loch in die Wand zu bohren.
Schritt 4: Rotation als Dimmer
Die rotate-Geste liefert einen Drehwinkel mit. Bei ZHA findet er sich unter relative_degrees oder rotation_angle – je nach Quirk-Version. Das eignet sich perfekt für stufenlose Dimmer-Steuerung:
alias: Cube Rotation – Wohnzimmer dimmen
triggers:
- trigger: event
event_type: zha_event
event_data:
command: rotate
actions:
- variables:
delta: "{{ trigger.event.data.args.relative_degrees | float / 4 }}"
current: "{{ state_attr('light.wohnzimmer_decke', 'brightness') | int(128) }}"
new: "{{ [[current + delta, 0] | max, 255] | min }}"
- action: light.turn_on
target:
entity_id: light.wohnzimmer_decke
data:
brightness: "{{ new | int }}"
mode: single
Der Teiler durch 4 sorgt dafür, dass eine volle Umdrehung etwa von Minimum auf Maximum dimmt – feiner als jeder klassische Drehknopf.
Schritt 5: Lebensdauer-Optimierung
Der Cube läuft mit einer CR2450-Knopfzelle. In meinem Setup hält eine Batterie etwa zehn bis vierzehn Monate – stark abhängig davon, wie oft gespielt wird. Zwei Tipps zur Verlängerung: In Zigbee2MQTT die Option legacy: false setzen, damit nicht jede Mikrobewegung als Event durchgereicht wird, und in der Automation einen kurzen mode: single mit Cooldown verwenden, der prellende Doppel-Events filtert.
Im Dashboard ergänze ich den Cube gerne mit einer Mushroom-Karte, die den Batteriestand und die zuletzt erkannte Geste anzeigt. Wer sich generell für aufgeräumte Dashboards interessiert, findet im Artikel „Mushroom & Bubble Cards: Dashboards, die wirklich begeistern“ die passende Vertiefung zur Karten-Ästhetik.
Fazit: Der Würfel ist mehr als ein Spielzeug
Der Aqara Magic Cube löst ein Problem, das in vielen Smart Homes ignoriert wird: schnelle, intuitive Steuerung ohne Display, ohne Sprachbefehl, ohne Wandtaster. Sechs Gesten pro Seite, sechs Seiten – das ergibt einen Funktionsumfang, den kein normaler Schalter erreicht. Die initiale Pairing-Hürde ist klein, die YAML-Logik überschaubar, und nach ein paar Tagen wird man sich fragen, warum nicht in jedem Wohnraum so ein Würfel liegt. Mein nächstes Projekt: ein zweiter Cube fürs Schlafzimmer, mit dem ich morgens die Rollläden, das Radio und die Kaffeemaschine in einer Geste starte.