Home Assistant

Zigbee2MQTT vs. ZHA: Entscheidung für ein grosses HA-Setup

Wer Home Assistant lange genug betreibt, kommt früher oder später an die Grundsatzfrage: Zigbee2MQTT oder ZHA? Beide Integrationen koppeln Zigbee-Geräte ans Smarthome, beide sind quelloffen, beide werden aktiv entwickelt. Trotzdem fühlen sie sich im Alltag völlig unterschiedlich an. In meiner Installation mit über 1’000 Entitäten quer durch Hue, Aqara, Tuya und IKEA habe ich beide Stacks parallel betrieben, bevor ich mich entschieden habe. Hier sind die Erkenntnisse – mit Fokus auf das, was bei einem ausgewachsenen Setup wirklich zählt.

Was beide Optionen leisten

Sowohl Zigbee2MQTT (kurz: z2m) als auch ZHA (Zigbee Home Automation) sind Software-Stacks, die einen Zigbee-Koordinator-Stick wie den Sonoff Dongle-P oder den Home Assistant SkyConnect mit dem HA-Kern verbinden. Geräte werden gepairt, in HA als Entitäten verfügbar gemacht und können in Automationen verwendet werden. Im Erfolgsfall ist der Endnutzer nicht in der Lage zu erkennen, welcher Stack im Hintergrund läuft – die light.– und binary_sensor.-Entitäten verhalten sich gleich.

Der Unterschied liegt unter der Oberfläche. ZHA ist eine integrierte Komponente von Home Assistant. Sie läuft direkt im HA-Prozess, kommuniziert per zigpy mit dem Stick und teilt sich Logging, Konfiguration und Backup mit dem Rest des Systems. Zigbee2MQTT ist dagegen ein eigenständiger Node.js-Dienst, der Zigbee-Daten über das MQTT-Protokoll an HA weitergibt. Das bedeutet einen zusätzlichen Container (oder Add-on), einen Mosquitto-MQTT-Broker und eine eigene Konfigurationsebene.

Vorteile von Zigbee2MQTT

Der grösste Pluspunkt von z2m ist die Gerätebibliothek. Über die «External Converter»-Architektur unterstützt das Projekt aktuell rund 4’500 Geräte – darunter exotische Tuya-Custom-Klone, die in ZHA monatelang auf einen Quirk warten oder gar nicht erkannt werden. In meinem Aufbau betraf das vor allem den Tuya TS0601 als mmWave-Anwesenheitssensor (Variante _TZE200_kb5noeto), der unter z2m sofort als binary_sensor und mit allen Parametern verfügbar war.

Ein zweiter Vorteil ist die UI. Das Web-Frontend von z2m zeigt Netz-Karten mit allen Routern, Endgeräten und der Funkverbindungsqualität (LQI). Bei einem Netz mit 80+ Geräten ist diese Visualisierung Gold wert, wenn ein Gerät plötzlich Aussetzer zeigt: Man sieht sofort, ob ein Repeater ausgefallen ist oder ob ein Sensor unter 50 LQI gefallen ist. ZHA bietet zwar mit den Diagnose-Werkzeugen seit 2024 Ähnliches, aber die Übersicht von z2m bleibt überlegen.

Der dritte Vorteil: Updates. z2m bringt neue Geräte- und Firmware-Definitionen im Wochenrhythmus. ZHA aktualisiert mit den HA-Releases alle vier Wochen. Für Bastler mit AliExpress-Importen ist das ein spürbarer Unterschied.

Vorteile von ZHA

ZHA spielt seine Stärken im Gegenzug bei Stabilität und Integrationstiefe aus. Da kein zusätzlicher Dienst läuft, fallen MQTT-Broker, Container-Update-Kette und Konfigurationssync weg. Wer ein konservatives Setup will – einmal eingerichtet, monatelang nicht angefasst – fährt mit ZHA risikoärmer.

Backups: ZHA-Daten sind Teil des HA-Snapshots, der täglich automatisch erstellt wird. Das event.backup_automatisches_backup zieht alles mit. Bei z2m muss man den data/-Ordner separat sichern, sonst verliert man beim Restore die Pairing-Datenbank und muss alle Geräte neu anlernen. Das macht ZHA für Anwender attraktiv, die sich nicht regelmässig mit Wartung beschäftigen wollen.

Ein YAML-Beispiel zeigt den Komfortgewinn auf ZHA-Seite. Für die direkten Zigbee-Bindings zwischen einem IKEA-Tradfri-Schalter und einer Hue-Lampe schreibt man unter ZHA:


service: zha.add_group
data:
  group_name: erdgeschoss_gruppe

automation:
  alias: ikea_button_3
  trigger:
    - platform: event
      event_type: zha_event
      event_data:
        device_ieee: "00:0b:57:ff:fe:..."
        command: "on"
  action:
    - service: light.turn_on
      target:
        entity_id: light.erdgeschoss

Unter z2m muss derselbe Vorgang über MQTT-Topics ausgelöst werden, was eine zusätzliche Indirektion bedeutet. Für Heim-Setups ohne Custom-Bindings ist das egal – wer aber Direct-Bind nutzt, hat unter ZHA weniger Latenz.

Migration: Geht das ohne neu pairen?

Theoretisch ja, praktisch nicht. Zwischen ZHA und z2m gibt es kein offizielles Migrations-Tool, das die Pairing-Datenbanken konvertiert. Auch ein Wechsel des Koordinator-Sticks behält die alten Bindings nur, wenn man die Network-Key-Konfiguration manuell migriert. Für ein Setup mit 80 Geräten bedeutet das einen Samstagnachmittag mit Reset-Knöpfen, Steckdosen-Tanz und neuer Beschriftung in HA. Die Migration lohnt sich also nur, wenn der Leidensdruck gross ist.

Fazit

Für ein neues, mittelgrosses HA-Setup (bis 30 Geräte, Mainstream-Hardware) empfehle ich ZHA – weniger Wartung, einfacheres Backup, gute Integrationstiefe. Für ein gewachsenes Setup mit exotischer Hardware, vielen Routern und der Lust auf eine bessere Netz-Diagnose ist Zigbee2MQTT im Alltag das stärkere Werkzeug. Beide Optionen sind ausgereift – die schlechte Wahl gibt es nicht, nur die für das eigene Setup unpassende.

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