Spätsommer und Herbst sind in Schweizer Kitas und Kindergärten die Hochsaison für eine Krankheit, die harmloser ist als ihr Ruf und trotzdem für viele Elterntelefonate sorgt: die Hand-Fuss-Mund-Krankheit. Sie ist hochansteckend, betrifft vor allem Kinder unter zehn Jahren, kann aber auch Erwachsene treffen. In der Apotheke landet sie fast täglich – meist mit der Frage, ob es «etwas dagegen» gibt.
Woran man sie erkennt
Der Verlauf beginnt untypisch: Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, allgemeines Krankheitsgefühl. Erst ein bis zwei Tage später kommt das, was der Krankheit den Namen gibt – schmerzhafte Bläschen im Mund und an den Rachenmandeln sowie ein roter, teils juckender Ausschlag an Handflächen, Fusssohlen und rund um den Mund. Bei manchen Kindern sind auch Gesäss und Knie betroffen.
Ausgelöst wird das Ganze von Enteroviren, meist Coxsackie A16 oder Enterovirus 71. Die Übertragung läuft über Tröpfchen, Bläscheninhalt und Stuhl. Das erklärt, weshalb es in Betreuungsgruppen so schnell durchläuft und weshalb die Ansteckungsfähigkeit noch Wochen nach dem Abklingen der Symptome bestehen kann.
Die gute Nachricht zuerst: In der Regel heilt die Erkrankung nach fünf bis sieben Tagen folgenlos ab, meist ohne ärztliche Behandlung. Wochen später kann sich die Haut an Fingern und Zehen schälen, in seltenen Fällen fallen Nägel aus – auch das ist harmlos und wächst nach.
Was die Apotheke leisten kann
Eine spezifische Therapie gibt es nicht, Antibiotika wirken gegen Viren nicht. Behandelt wird symptomatisch, und genau dort liegt die Stärke der Apothekenberatung.
Im Vordergrund steht die Schmerz- und Fiebersenkung mit Paracetamol oder Ibuprofen in kindgerechter, gewichtsbezogener Dosierung – als Sirup oder Zäpfchen, wenn das Schlucken wehtut. Für den Mund gibt es Gele und Spüllösungen mit lokalanästhetischen oder entzündungshemmenden Wirkstoffen; bei Kleinkindern ist die Auswahl eingeschränkt, weil manche Substanzen erst ab einem bestimmten Alter zugelassen sind. Fragen Sie deshalb immer nach dem Alter, nicht nur nach dem Symptom.
Für die Haut genügt meist eine kühlende, nicht fettende Lotion; juckt es stark, kann ein Antihistaminikum abends helfen. Wichtig ist der Hinweis, die Bläschen nicht aufzustechen – das verlängert nichts, verteilt aber Viren.
Ebenso wichtig ist die Abgrenzung. Windpocken beginnen mit Bläschen am Rumpf und wandern nach aussen, nicht umgekehrt; eine Streptokokken-Angina zeigt Beläge auf den Mandeln ohne Ausschlag an Händen und Füssen; eine Herpes-Erstinfektion im Mund macht typischerweise stärker geschwollenes, blutendes Zahnfleisch. Wer in der Offizin gezielt nach der Reihenfolge der Symptome fragt, kommt meist schnell zur richtigen Einordnung – und erspart der Familie einen unnötigen Notfallbesuch.
Trinken ist das eigentliche Thema
Der häufigste Grund, weshalb ein Kind mit Hand-Fuss-Mund doch beim Arzt landet, ist nicht der Ausschlag, sondern die Flüssigkeitsaufnahme. Schmerzende Bläschen im Mund führen dazu, dass Kinder Trinken verweigern. Was hilft: kühle, milde Getränke, Wasser oder verdünnter Tee statt saurer Säfte, weiche und kühle Speisen wie Joghurt oder Griessbrei, kein Salziges und nichts Scharfes. Ein Schmerzmittel eine halbe Stunde vor der Mahlzeit macht das Essen oft überhaupt erst möglich.
Elektrolytlösungen aus der Apotheke sind sinnvoll, wenn bereits weniger getrunken wurde – ähnlich wie bei den Empfehlungen zum Fieber bei Kindern: Beratung aus der Apotheke. Alarmzeichen für eine Austrocknung sind deutlich weniger nasse Windeln oder Toilettengänge, trockene Lippen, eingesunkene Augen und auffällige Müdigkeit.
Wann es zur Ärztin gehört
Die Apotheke berät, sie ersetzt aber keine Abklärung. In die Praxis gehören: Säuglinge unter drei Monaten, Fieber über drei Tage oder erneut ansteigendes Fieber, Verweigerung jeglicher Flüssigkeit, Zeichen der Austrocknung, starke Nackensteife, ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Verwirrtheit sowie eine Schwangerschaft im letzten Trimenon mit Kontakt zu einem erkrankten Kind. Auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten sich melden.
Zur Hygiene: gründliches Händewaschen mit Seife – Alkoholdesinfektion wirkt gegen Enteroviren nur beschränkt –, eigene Handtücher, Spielzeug reinigen. Ein generelles Kita-Verbot gibt es in der Schweiz nicht; die Empfehlung lautet meist, das Kind zu Hause zu behalten, solange es Fieber hat oder sich sichtlich krank fühlt. Die konkrete Regelung legt die Institution fest.
Fazit
Hand-Fuss-Mund ist unangenehm, aber selbstlimitierend. Die Apotheke kann drei Dinge sehr gut: die Diagnose plausibel einordnen und von anderen Ausschlägen abgrenzen, altersgerechte Schmerz- und Fiebermittel abgeben und das eigentliche Risiko – zu wenig Flüssigkeit – frühzeitig ansprechen. Wer mit einem quengelnden, nicht trinkenden Kind vor der Offizin steht, bekommt dort in fünf Minuten mehr Praxisnutzen als aus jeder Internetsuche.