Wer sein Zuhause mit Home Assistant ausstattet, sammelt mit der Zeit erstaunlich viele Temperaturfühler an: der Meter Pro im Wohnzimmer, das Eve Weather auf der Terrasse, der Zigbee-Sensor im Dachzimmer, dazu die Innentemperatur der Hue-Bewegungsmelder. Einzeln betrachtet ist jeder Wert nützlich – für eine Automation aber oft zu kleinteilig. Wollen Sie die Lüftung starten, sobald es «im Haus» zu warm wird, brauchen Sie keine sechs Einzelwerte, sondern einen: den Durchschnitt. Genau dafür gibt es Sensor-Gruppen.
Das Problem: zu viele Einzelwerte
Eine typische Automation wie «Wenn die Wohnbereichstemperatur über 26 Grad steigt, schalte den Luftzirkulator ein» wird schnell unübersichtlich, wenn Sie mehrere Räume berücksichtigen müssen. Sie könnten für jeden Sensor eine eigene Bedingung schreiben – doch das ist fehleranfällig und muss bei jedem neuen Fühler nachgezogen werden. Eleganter ist es, die Sensoren einmal zu einer Gruppe zusammenzufassen und daraus einen einzigen aussagekräftigen Wert zu berechnen: Mittelwert, Minimum, Maximum oder die Spannweite.
Home Assistant bietet dafür zwei Wege. Klassisch über die min_max-Plattform in der configuration.yaml, moderner und komfortabler über den Helfer Gruppe direkt in der Oberfläche. Beide erzeugen eine neue Sensor-Entität, die Sie wie jeden anderen Sensor in Automationen, im Energie-Dashboard oder auf einer Karte verwenden können.
Schritt für Schritt: der Mittelwert-Sensor
Am schnellsten geht es über die UI: Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer → Helfer erstellen → Gruppe → Sensorgruppe. Dort wählen Sie die gewünschten Fühler aus und legen den Typ fest – für die Raumtemperatur ist der Mittelwert am sinnvollsten. Wer lieber in YAML arbeitet, definiert das Ganze klassisch so:
# configuration.yaml
sensor:
- platform: min_max
name: "Wohnbereich Temperatur"
type: mean
round_digits: 1
entity_ids:
- sensor.buro_temperatur
- sensor.dachzimmer_temperatur
- sensor.meter_pro_b3_temperatur
- sensor.eve_weather_20ebs9901_temperatur
Nach einem Neustart erscheint sensor.wohnbereich_temperatur mit dem gerundeten Durchschnitt aller vier Fühler. Ändern Sie den type auf min, max oder range, erhalten Sie stattdessen den kältesten Raum, den wärmsten oder die Differenz zwischen beiden – Letzteres ist praktisch, um ungleichmässig beheizte Etagen aufzuspüren.
Ein wichtiges Detail: nicht verfügbare Fühler
Ein Stolperstein lauert bei Batteriegeräten und Funksensoren: Fällt einer aus, liefert er unavailable. Die min_max-Plattform ignoriert solche Werte und rechnet mit den verbleibenden weiter – gut für die Robustheit, aber Sie merken nicht sofort, dass ein Fühler fehlt. Wollen Sie das kontrollieren, hilft ein zusätzlicher Template-Sensor, der die Zahl der aktiven Geber ausweist:
template:
- sensor:
- name: "Aktive Temperaturfühler"
state: >
{{ [states('sensor.buro_temperatur'),
states('sensor.dachzimmer_temperatur'),
states('sensor.meter_pro_b3_temperatur'),
states('sensor.eve_weather_20ebs9901_temperatur')]
| reject('in', ['unknown', 'unavailable']) | list | count }}
Sinkt dieser Zähler unter die erwartete Anzahl, wissen Sie, dass ein Sensor eine leere Batterie hat oder aus dem Mesh gefallen ist – und Ihr Mittelwert nur noch auf wenigen Fühlern beruht.
Wo Gruppen ihren Nutzen entfalten
Der grosse Gewinn zeigt sich in den Automationen: Statt einer langen Kette von Bedingungen genügt jetzt ein Trigger auf sensor.wohnbereich_temperatur. Und wenn Sie in einem halben Jahr einen weiteren Fühler ergänzen, fügen Sie ihn nur der Gruppe hinzu – jede darauf aufbauende Automation profitiert automatisch, ohne dass Sie eine einzige Regel anfassen müssen.
Sensor-Gruppen eignen sich nicht nur für Temperaturen. Genauso lassen sich Luftfeuchtigkeitswerte mehrerer Räume mitteln, die Summe aller Steckdosen-Leistungen bilden oder das Minimum aller Batterieladungen überwachen, um früh vor dem schwächsten Glied gewarnt zu werden. Wer die Rohwerte vorher noch glätten will, weil einzelne Fühler zappeln, kombiniert die Gruppe mit einem Filter – wie das geht, habe ich im Beitrag Filter-Sensor in HA: Verrauschte Werte glätten gezeigt.
Fazit
Sensor-Gruppen sind eine der unauffälligsten, aber wirkungsvollsten Aufräumaktionen in Home Assistant: Aus einem Wildwuchs an Einzelfühlern wird ein sauberer, aussagekräftiger Wert, auf den sich Automationen und Dashboards stützen. Legen Sie als nächsten Schritt eine erste Gruppe für Ihren meistgenutzten Raum an, ersetzen Sie in einer bestehenden Automation die Einzelbedingung durch den neuen Gruppen-Sensor – und ergänzen Sie den kleinen Zähler für aktive Fühler. Ihr Setup wird dadurch nicht nur schlanker, sondern auch deutlich wartungsärmer.
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Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger