Finanzen

X-Ghostwriting: für Gründer schreiben als Studi

Auf LinkedIn ist Ghostwriting längst ein etabliertes Geschäft. Doch daneben wächst eine zweite Plattform heran, auf der Gründerinnen, Coaches und Fachleute ihre Reichweite aufbauen: X, das frühere Twitter. Kurze Posts, pointierte Threads, tägliche Präsenz – das kostet Zeit, die viele Selbständige nicht haben. Genau hier setzt X-Ghostwriting an: Du schreibst im Namen eines Gründers, triffst seinen Ton und lieferst regelmässig Content. Für BWL-Studierende mit Gespür für Sprache und Social Media ist das ein Nebenverdienst, der sich flexibel um den Stundenplan legt.

Warum gerade jetzt und gerade X

X ist im deutschsprachigen Raum eine Nischenplattform verglichen mit LinkedIn – und genau das ist die Chance. Weil weniger Berater den Markt bedienen, ist der Wettbewerb überschaubarer, während die Nachfrage steigt: Immer mehr Gründer erkennen, dass eine persönliche Marke auf X Kunden, Investoren und Talente anzieht. Schätzungen zufolge nutzt ein erheblicher Teil grosser Accounts ohnehin Unterstützung im Hintergrund. Wer das Handwerk beherrscht, findet also einen Markt mit Bedarf, aber ohne Überfüllung.

Der zweite Grund ist das Format selbst. Ein X-Post ist kurz. Das senkt die Einstiegshürde gegenüber langen Blogtexten und passt perfekt in die Randzeiten eines Studiums: eine halbe Stunde zwischen zwei Vorlesungen reicht, um mehrere Posts zu entwerfen.

Was die Arbeit konkret umfasst

X-Ghostwriting ist mehr als Tweets tippen. Der Kern besteht aus drei Bausteinen. Erstens die Stimme: Du führst zu Beginn ein Interview mit dem Kunden, sammelst seine Ansichten, Anekdoten und Fachthemen und destillierst daraus einen wiedererkennbaren Ton. Zweitens die Produktion: Aus diesem Rohmaterial formst du einzelne Posts und längere Threads, die eine These aufbauen und zum Lesen einladen. Drittens die Kontinuität: Du planst einen Redaktionskalender, damit regelmässig etwas erscheint, statt in Schüben.

Ein bewährtes Modell ist das Recycling: Aus einem längeren Gedanken des Kunden – etwa einer Sprachnachricht nach einem Kundengespräch – entstehen ein Thread, mehrere Einzelposts und eine Idee für die kommende Woche. So wird aus wenig Input viel Output, und der zeitliche Aufwand pro veröffentlichtem Post sinkt.

Der Werkzeugkasten: KI als Assistent, nicht als Autor

Der am schnellsten wachsende Teil der Branche ist KI-gestütztes Ghostwriting: Sprachmodelle übernehmen den ersten Entwurf, während du für Strategie, Stimme und Feinschliff zuständig bleibst. Das ist die richtige Rollenverteilung. Ein KI-Tool, das auf die bisherigen Posts des Kunden trainiert ist, liefert dir Rohmaterial – aber die Beurteilung, was authentisch klingt und was nicht, bleibt deine Aufgabe. Genau dafür bezahlt der Kunde. Wer die KI unkontrolliert posten lässt, produziert Beliebigkeit; wer sie als Beschleuniger nutzt, liefert doppelt so schnell.

Realistisch bei 20 bis 40 Prozent Pensum

Der grosse Vorteil dieses Nebenjobs ist die Planbarkeit. Ein Kunde bedeutet in der Regel eine feste Anzahl Posts pro Woche plus ein kurzes wöchentliches Abstimmungsgespräch. Ein bis zwei Kunden lassen sich gut neben dem Studium bedienen, ohne dass die Prüfungsphase leidet – die Arbeit ist asynchron und ortsunabhängig. Rechne mit einer intensiveren Einarbeitungswoche pro neuem Kunden, danach pendelt sich der Aufwand ein.

Bei der Kundengewinnung gilt die alte Freelancer-Regel: Die ersten Aufträge kommen fast immer über das eigene Netzwerk. Biete einem Gründer aus deinem Umfeld ein befristetes Pilotprojekt an – etwa zwei Wochen Content gegen ein Testimonial. Aus diesem Referenzfall lassen sich die nächsten Kunden gewinnen. Und der beste Beweis deiner Fähigkeit ist dein eigenes X-Profil: Wer selbst gut schreibt und wächst, braucht keine Bewerbung.

Wer die Grundlagen des professionellen Auftretens im Social Web vertiefen will, findet im Beitrag zum LinkedIn-Profile optimieren als Studi-Nebenjob übertragbare Prinzipien, die auch auf X gelten.

Fazit

X-Ghostwriting verbindet drei Dinge, die im BWL-Studium ohnehin geschult werden: Kommunikation, strategisches Denken und ein Gespür für Zielgruppen. Der Markt ist da, der Wettbewerb im deutschsprachigen Raum noch dünn, und das kurze Format passt in einen vollen Stundenplan.

Dein erster konkreter Schritt: Wähle diese Woche einen Gründer aus deinem Umfeld, dessen Themen du verstehst, und schreibe ihm auf eigene Faust fünf fertige Posts in seinem Stil. Schick sie ihm mit dem Angebot eines zweiwöchigen Testlaufs. Aus diesem einen Referenzprojekt wächst alles Weitere.

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