Viele Berufstätige wissen nicht, dass sie bei ihrer Pensionskasse ein Wahlrecht haben. Immer mehr Kassen bieten sogenannte Wahlpläne an: Man kann selbst bestimmen, wie hoch die eigenen Sparbeiträge ausfallen – Standard, Plus oder Top. Wer den höheren Plan wählt, legt Monat für Monat etwas mehr fürs Alter zurück, senkt gleichzeitig das steuerbare Einkommen und schafft sich mehr Spielraum für spätere Einkäufe. Ein stiller Hebel, den viele ungenutzt lassen.
Relevanz heute
Das Rentenniveau der zweiten Säule steht seit Jahren unter Druck. Der Umwandlungssatz sinkt, die Lebenserwartung steigt, und wer sich allein auf AHV und obligatorisches BVG verlässt, muss im Alter mit einer spürbaren Lücke rechnen. Genau hier setzt die Wahl des Sparplans an: Sie ist einer der wenigen Hebel, die Angestellte direkt und ohne grosses Vorwissen bedienen können. Statt auf Reformen zu warten, verbessern Sie Ihre eigene Ausgangslage – planbar und Jahr für Jahr.
Wichtig zu wissen: Der Arbeitgeberbeitrag bleibt laut Gesetz in allen Plänen gleich hoch. Sie erhöhen also nur Ihren eigenen Anteil. Der Effekt ist trotzdem beachtlich, weil das zusätzliche Kapital über Jahrzehnte mitverzinst wird.
Wie die Wahlpläne funktionieren
Typischerweise bietet eine Kasse drei Stufen an. Im Basisplan zahlen Sie den tiefsten gesetzlich oder reglementarisch vorgesehenen Sparbeitrag. Im mittleren Plan liegt Ihr Beitrag etwas höher, im höchsten Plan zahlen Sie den maximal möglichen Eigenanteil. Die Differenz zwischen den Stufen beträgt je nach Kasse oft ein bis drei Lohnprozente – auf den ersten Blick wenig, über eine ganze Erwerbskarriere aber ein erheblicher Unterschied im Alterskapital.
Der entscheidende Punkt: Diese zusätzlichen Sparbeiträge fliessen zu hundert Prozent in Ihr eigenes Altersguthaben. Es handelt sich nicht um eine Versicherungsprämie, sondern um Erspartes, das Ihnen erhalten bleibt – bei Pensionierung, bei einem Vorbezug fürs Eigenheim oder im Todesfall zugunsten Ihrer Begünstigten.
Der Steuereffekt und der Einkauf
Wer den höheren Plan wählt, reduziert sein steuerbares Einkommen, denn die Sparbeiträge werden direkt vom Lohn abgezogen und mindern die Steuerbasis. Bei mittleren und höheren Einkommen kann das die jährliche Steuerrechnung merklich senken – ein Effekt, der die Mehrkosten des höheren Plans teilweise auffängt.
Ein zweiter, oft unterschätzter Vorteil betrifft das Einkaufspotenzial. Je höher Ihr Sparplan, desto grösser wird mit der Zeit die reglementarisch maximal mögliche Altersleistung – und damit die Lücke, die Sie später mit freiwilligen Einkäufen füllen dürfen. Wahlplan und freiwillige Einzahlungen greifen also ineinander. Wer beide Instrumente kennt, kann seine Vorsorge und seine Steuern gezielt über mehrere Jahre optimieren, wie der Beitrag zum Pensionskassen-Einkauf und dem Staffeln der Steuern zeigt.
Wann Vorsicht angebracht ist
Der höhere Sparplan ist kein Selbstläufer. Zu prüfen ist zuerst der Deckungsgrad der Kasse: Steckt die Pensionskasse in einer Unterdeckung, drohen Sanierungsbeiträge und tiefere Verzinsung des Guthabens – dann fliesst mehr Geld in eine Kasse mit angeschlagener Substanz. Ein Blick in den letzten Geschäftsbericht und auf den ausgewiesenen Deckungsgrad lohnt sich vor jeder Entscheidung.
Ausserdem sollte der höhere Beitrag ins Budget passen. Der gewählte Plan gilt in der Regel für ein ganzes Jahr, und ein Wechsel zurück ist meist erst auf den nächsten 1. Januar möglich. Anders als beim freiwilligen Einkauf, den man in guten Jahren gezielt tätigt, bindet der höhere Sparplan Ihr Budget dauerhaft – dafür ganz ohne Aufwand, weil er automatisch vom Lohn abgezogen wird. Wer eine grössere Anschaffung oder eine Phase mit reduziertem Lohn vor sich hat, plant das besser ein. Gebunden ist das Geld ohnehin bis zur Pensionierung oder bis zu einem gesetzlich erlaubten Vorbezug.
Konkreter nächster Schritt
Schauen Sie in Ihr Vorsorgereglement oder ins Online-Portal Ihrer Pensionskasse und prüfen Sie, ob überhaupt Wahlpläne angeboten werden. Falls ja: Vergleichen Sie die Beitragsstufen, rechnen Sie die monatliche Mehrbelastung des höheren Plans aus und stellen Sie ihr die Steuerersparnis gegenüber. Die Wahl für das kommende Jahr müssen Sie bei vielen Kassen bis Ende November treffen – sie greift dann auf den 1. Januar. Ein einziges ausgefülltes Formular kann so über Jahrzehnte mehrere Tausend Franken zusätzliches Alterskapital bedeuten.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Vorsorge- oder Steuerberatung. Massgebend sind Ihr Vorsorgereglement und Ihre persönliche Situation.