Schnupfen bei 30 Grad? Klingt widersprüchlich, ist aber jeden Sommer ein Dauerbrenner am Apothekenschalter. Die «Sommergrippe» ist kein Mythos: Erkältungsartige Infekte treten auch in der warmen Jahreszeit auf – nur werden sie von anderen Erregern ausgelöst und oft unterschätzt. Wer die Zeichen kennt, kommt mit der richtigen Beratung meist gut ohne Arztbesuch durch.
Warum man auch im Sommer «erkältet» ist
Der Begriff Sommergrippe ist irreführend: Mit der echten Grippe (Influenza), die im Winter zirkuliert, hat sie meist nichts zu tun. Verantwortlich sind häufig Enteroviren, die sich in der warmen Jahreszeit wohler fühlen. Sie verursachen Halsweh, Schnupfen, Husten, manchmal Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen – und gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden, was die Sommergrippe von der klassischen Winter-Erkältung unterscheidet.
Begünstigt wird ein solcher Infekt durch die typischen Sommerreize: der Sprung von der Hitze in die eiskalte Klimaanlage, Zugluft im Auto, feuchte Badekleidung, kurze Nächte und viele Kontakte an Festivals oder im Freibad. Der schnelle Temperaturwechsel schwächt die Abwehr der Schleimhäute – ideale Bedingungen für Viren.
Erst einordnen, dann behandeln
In der Apotheke steht am Anfang die Abgrenzung. Ein Heuschnupfen etwa juckt in Augen und Nase und tritt saisonal bei Pollenflug auf, ohne Fieber. Ein Magen-Darm-Infekt durch verdorbene Speisen zeigt sich vor allem über den Bauch. Und auch eine Atemwegsinfektion durch das Coronavirus ist im Sommer weiterhin möglich. Diese Unterscheidung hilft, die richtige Empfehlung zu treffen – und zu erkennen, wann doch ärztlicher Rat nötig ist.
Für die Einordnung leichter Beschwerden bietet sich in vielen Schweizer Apotheken das netCare-Angebot an: eine strukturierte Ersteinschätzung durch geschultes Personal, bei Bedarf per Videozuschaltung an eine Ärztin. So lässt sich rasch klären, ob Selbstmedikation genügt.
Was gegen die Symptome hilft
Wie bei der Winter-Erkältung gibt es kein Mittel, das die Viren direkt bekämpft – behandelt werden die Symptome. Gegen Fieber, Hals- und Gliederschmerzen kommen bewährte Schmerz- und Fiebersenker wie Paracetamol oder Ibuprofen infrage. Halstabletten und Sprays lindern das Kratzen im Rachen, abschwellende Nasensprays befreien die verstopfte Nase – Letztere aber nur wenige Tage, um den bekannten Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Meersalz-Nasenspülungen sind eine sanfte Alternative ohne dieses Risiko.
Gerade im Sommer verdient ein Punkt besondere Beachtung: das Trinken. Fieber und Hitze zusammen führen schnell zu einem hohen Flüssigkeitsverlust. Wer schwitzt und fiebert, sollte konsequent trinken; bei starkem Schwitzen können Elektrolytlösungen aus der Apotheke sinnvoll sein. Ruhe, Schlaf und der Verzicht auf sportliche Höchstleistungen beschleunigen die Genesung mehr als jedes Präparat.
Vorsicht bei Medikamenten und Hitze
Ein Aspekt, den man im Sommer leicht vergisst: Manche Symptome und Mittel vertragen sich schlecht mit grosser Hitze. Fiebersenker und ein flüssigkeitsarmer Körper belasten den Kreislauf zusätzlich; wer ohnehin blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente nimmt, sollte in der Apotheke nachfragen, worauf zu achten ist. Auch die richtige Lagerung von Medikamenten ist bei Hitze ein Thema – Zäpfchen und einzelne Wirkstoffe reagieren empfindlich auf Temperaturen über 25 Grad.
Wann zur Ärztin
Die meisten Sommergrippen klingen nach einigen Tagen von selbst ab. Ärztlicher Rat ist angezeigt, wenn hohes Fieber mehrere Tage anhält, die Beschwerden sich deutlich verschlimmern, Atemnot, steifer Nacken oder starke Kopfschmerzen auftreten. Auch bei Kleinkindern, älteren oder chronisch kranken Menschen und in der Schwangerschaft gilt: im Zweifel früher abklären lassen. Die Apotheke ist eine gute erste Anlaufstelle, um diese Grenze einzuschätzen.
Wie sich ein grippaler Infekt grundsätzlich behandeln lässt, vertieft der Beitrag zur Erkältung in der Apotheke und was wirklich hilft.
Fazit
Die Sommergrippe ist harmlos, aber lästig – und sie verlangt im Kern dieselbe symptomatische Behandlung wie ihr Winter-Pendant, mit besonderem Augenmerk auf Flüssigkeit und Kreislauf bei Hitze. Wer sich zwischen Klimaanlage und Freibad ein wenig schont, kommt meist rasch wieder auf die Beine.
Ihr nächster Schritt: Lassen Sie Ihre Beschwerden in der Apotheke einordnen, statt vorschnell zum Antibiotikum zu greifen – gegen Viren ist es wirkungslos. Und packen Sie bei sommerlichen Infekten vor allem eines ein: genug zu trinken.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung.