Wenn das Thermometer im Schweizer Sommer über 30 Grad klettert, denken die meisten an Sonnencreme und ausreichend Wasser. Weniger bekannt ist, dass auch der Medikamentenschrank bei Hitze zum Thema wird – und zwar nicht nur wegen der richtigen Lagerung. Manche regelmässig eingenommenen Arzneimittel verändern, wie der Körper mit Wärme umgeht. Sie können das Schwitzen dämpfen, den Flüssigkeitshaushalt durcheinanderbringen oder den Kreislauf zusätzlich belasten. Gerade für ältere Menschen mit Dauermedikation kann eine Hitzewelle dadurch zur echten Belastung werden. Die Apotheke ist hier eine erste, niederschwellige Anlaufstelle.
Warum Hitze den Körper – und Medikamente – fordert
Bei Hitze reguliert der Körper seine Temperatur über Schwitzen und erweiterte Gefässe. Beides kostet Flüssigkeit und belastet den Kreislauf. Ältere Menschen sind doppelt gefährdet: Ihr Durstgefühl lässt nach, und sie nehmen Hitze oft weniger deutlich wahr. Wenn nun ein Medikament in diese ohnehin angespannte Regulation eingreift, kann das Gleichgewicht kippen.
Typische Warnzeichen für einen relevanten Flüssigkeitsverlust sind Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen und eine ungewohnte Müdigkeit. Auch eine kontinuierliche Gewichtsabnahme innerhalb weniger Tage kann ein Hinweis sein. Wer solche Symptome bei sich oder bei Angehörigen bemerkt, sollte das ernst nehmen – besonders bei betagten Personen, die alleine leben.
Diese Wirkstoffgruppen verdienen Aufmerksamkeit
Mehrere häufig verordnete Medikamente können bei Hitze problematischer werden. Entwässernde Mittel (Diuretika), die bei Bluthochdruck und Herzschwäche eingesetzt werden, verstärken den hitzebedingten Flüssigkeitsverlust und erhöhen so das Risiko einer Austrocknung. Auch andere Blutdrucksenker können in Kombination mit erweiterten Gefässen zu Kreislaufproblemen und Schwindel führen.
Wirkstoffe mit anticholinerger Wirkung – etwa manche Mittel gegen Reizblase, bestimmte Antidepressiva oder ältere Allergiemittel – können das Schwitzen hemmen und damit die natürliche Kühlung beeinträchtigen. Ähnlich gilt es bei Neuroleptika und einigen Parkinson-Medikamenten aufzupassen. Nicht-steroidale Schmerzmittel wiederum belasten bei gleichzeitigem Flüssigkeitsmangel die Nieren stärker. Die Liste ist nicht abschliessend, und sie bedeutet keineswegs, dass diese Medikamente im Sommer schlecht sind – sie sind oft lebenswichtig. Es geht allein darum, bei Hitze aufmerksamer zu sein.
Was die Apotheke konkret tun kann
Hier liegt die Stärke der wohnortnahen Apotheke. Beim sogenannten Medikamenten-Check geht das Fachpersonal Ihre gesamte Medikation durch und erkennt, ob hitzekritische Wirkstoffe dabei sind. Das ist besonders wertvoll bei Polymedikation, wenn mehrere Mittel zusammenkommen und sich Wechselwirkungen summieren – ein Thema, das der Beitrag Hitzewelle 2026: Medikamente richtig lagern von der Lagerungsseite her beleuchtet.
Die Apotheke berät zur richtigen Flüssigkeitszufuhr, kann bei Bedarf Elektrolytpräparate empfehlen und gibt praktische Tipps für den Alltag während einer Hitzewelle. Ganz wichtig ist dabei eine klare Grenze: Eine Dosisanpassung oder gar das Absetzen eines Medikaments darf nie eigenmächtig erfolgen. Wenn während einer Hitzeperiode eine vorübergehende Anpassung sinnvoll erscheint – etwa bei einem Entwässerungsmittel –, gehört diese Entscheidung immer in die Hand des behandelnden Arztes. Die Apotheke kann dieses Gespräch anstossen und vorbereiten, aber nicht ersetzen.
Einfache Vorsorge für heisse Tage
Unabhängig von der Medikation helfen ein paar Grundregeln. Trinken Sie regelmässig über den Tag verteilt, auch ohne Durstgefühl, und bevorzugen Sie Wasser oder ungesüssten Tee. Bewahren Sie hitzeempfindliche Arzneimittel kühl auf, aber nicht im Kühlschrank, wenn das nicht ausdrücklich vorgesehen ist. Achten Sie bei betagten Angehörigen aktiv mit – ein Anruf am Mittag kann bei einer Hitzewelle mehr bewirken als jede App. Und planen Sie wichtige Erledigungen in die kühlen Morgen- und Abendstunden.
Wer regelmässig Medikamente einnimmt und unsicher ist, nimmt die Verpackungen am besten gleich mit in die Apotheke. So kann das Team gezielt prüfen, statt allgemein zu raten.
Fazit
Hitze ist nicht nur eine Frage der Sonnencreme, sondern auch eine des Medikamentenschranks. Diuretika, bestimmte Blutdruck- und Psychopharmaka sowie schweisshemmende Wirkstoffe können den Körper bei hohen Temperaturen zusätzlich fordern – vor allem bei älteren Menschen. Ein kurzer Medikamenten-Check in der Apotheke schafft Klarheit, ohne dass Sie eigenmächtig an der Therapie schrauben. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung im Einzelfall.