Ein Bewegungsmelder reagiert auf das, was jetzt passiert. Richtig clever wird ein Smart Home aber erst, wenn es auf das reagiert, was gleich passiert. Genau dafür liefert jede Wetter-Integration in Home Assistant eine Vorhersage – nur lässt sie sich seit einigen Releases nicht mehr so einfach abgreifen wie früher. Das alte forecast-Attribut der Wetter-Entität ist abgelöst. Wer 2026 mit Prognosedaten automatisieren will, nutzt die Aktion weather.get_forecasts. So holen Sie die Vorhersage sauber ab und steuern damit Storen, Bewässerung oder Heizung vorausschauend.
Das Problem: Prognose ist kein Zustand
Eine Entität wie weather.forecast_home hat einen Zustand (sunny, cloudy …) und ein paar Attribute. Die eigentliche Vorhersage – die nächsten Stunden und Tage – ist aber kein statisches Attribut mehr, sondern wird auf Anfrage geliefert. weather.get_forecasts ist eine Aktion mit Rückgabewert: Sie fragt die Vorhersage aktiv ab und legt das Ergebnis in einer Variablen ab, die Sie anschliessend auswerten.
Schritt 1: Vorhersage in einen Sensor giessen
Am praktischsten ist ein trigger-basierter Template-Sensor, der stündlich die Tagesvorhersage abruft und die Werte bereitstellt, die Sie später brauchen – etwa Höchsttemperatur und Regenwahrscheinlichkeit von morgen.
template:
- trigger:
- trigger: time_pattern
hours: "/1"
action:
- action: weather.get_forecasts
target:
entity_id: weather.forecast_home
data:
type: daily
response_variable: daily
sensor:
- name: "Höchsttemperatur morgen"
unique_id: forecast_tmax_morgen
unit_of_measurement: "°C"
state: >
{{ daily['weather.forecast_home'].forecast[1].temperature }}
- name: "Regenwahrscheinlichkeit morgen"
unique_id: forecast_regen_morgen
unit_of_measurement: "%"
state: >
{{ daily['weather.forecast_home'].forecast[1].precipitation_probability }}
Der Index [0] steht für heute, [1] für morgen. Für stündliche Prognosen setzen Sie type: hourly und greifen entsprechend auf die nächsten Stunden zu. Der grosse Vorteil dieses Ansatzes: Der Wert wird nur einmal pro Stunde abgefragt und steht danach als ganz normaler Sensor in jeder Automation, jedem Dashboard und jeder Vorlage zur Verfügung – ohne dass Sie die Wetter-Aktion immer wieder neu aufrufen müssen. Ein zentraler Prognose-Sensor ist damit oft sauberer als viele verstreute Einzelabfragen.
Schritt 2: Damit automatisieren
Sobald die Werte als Sensoren vorliegen, sind klassische Automationen möglich. Ein Beispiel: Die Gartenbewässerung soll nur laufen, wenn für morgen wenig Regen erwartet wird – das spart Wasser und schont die Pflanzen.
automation:
- alias: "Bewässerung bei Regenprognose aussetzen"
trigger:
- trigger: time
at: "06:00:00"
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.regenwahrscheinlichkeit_morgen
below: 60
action:
- action: switch.turn_on
target:
entity_id: switch.water_control
Wer das Gardena-Ventil bereits eingebunden hat, kombiniert diese Logik elegant mit der bestehenden Steuerung aus dem Beitrag Gardena Smart Water Control in Home Assistant.
Schritt 3: Vorhersage direkt in der Automation nutzen
Sie müssen nicht zwingend den Umweg über einen Sensor gehen. weather.get_forecasts lässt sich auch mitten in einer Automation aufrufen und das Ergebnis sofort auswerten – ideal, wenn der Wert nur an einer Stelle gebraucht wird:
automation:
- alias: "Storen schliessen bei Hitzeprognose"
trigger:
- trigger: time
at: "08:00:00"
action:
- action: weather.get_forecasts
target:
entity_id: weather.forecast_home
data:
type: daily
response_variable: daily
- if:
- condition: template
value_template: >
{{ daily['weather.forecast_home'].forecast[0].temperature | float > 28 }}
then:
- action: cover.close_cover
target:
entity_id: cover.wohnzimmer_storen
So fahren die Storen morgens automatisch herunter, bevor die Sonne die Wohnung aufheizt – ein echter Komfortgewinn an Hitzetagen. Dasselbe Muster lässt sich umgekehrt für die Heizung nutzen: Sinkt die prognostizierte Tiefsttemperatur für die kommende Nacht unter einen Schwellenwert, kann die Wärmepumpe rechtzeitig vorheizen, statt erst zu reagieren, wenn es bereits kalt geworden ist.
Stolperfallen
Prüfen Sie zuerst in den Entwicklerwerkzeugen unter «Aktionen», welche Felder Ihre Integration tatsächlich liefert. Nicht jede Wetterquelle gibt precipitation_probability zurück – manche liefern nur precipitation in Millimetern. Fangen Sie ausserdem fehlende Werte mit Filtern wie | float(0) oder einem default ab, damit der Sensor bei einem Aussetzer der Wetter-API nicht auf unknown springt. Und denken Sie daran: get_forecasts ist eine Aktion mit Antwort, sie funktioniert deshalb nur im action-Block, nicht als Trigger.
Fazit
Mit weather.get_forecasts verwandeln Sie Home Assistant von einem reaktiven in ein vorausschauendes System. Ob Bewässerung, Beschattung oder das frühere Anheizen vor einem Kälteeinbruch – die Vorhersage ist die letzte fehlende Zutat für Automationen, die mitdenken. Beginnen Sie mit einem einzigen Prognose-Sensor, beobachten Sie ihn ein paar Tage gegen das reale Wetter, und bauen Sie darauf Schritt für Schritt Ihre vorausschauenden Routinen auf.